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Integrationshürde: Wie können ukrainische Geflüchtete schneller in den deutschen Arbeitsmarkt einsteigen?

Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter: Herausforderungen und Potenziale.

Die Integrationsprozesse für ukrainische Geflüchtete in den deutschen Arbeitsmarkt gestalten sich bislang langwierig. Ein Großteil der Neuankömmlinge aus der Ukraine strebt zunächst Deutschkenntnisse an, bevor sie eine Arbeitsstelle suchen. Wie könnte dieser Prozess beschleunigt werden?

Nataliia Trytenichenko, eine 39-jährige Ukrainerin, die in Bonn Yogaunterricht gibt, verfolgt den Wunsch, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, um in ihrem Beruf als Buchhalterin und im Controlling Fuß zu fassen. Obwohl sie in der Ukraine in diesen Bereichen tätig war, ist sie derzeit auf Sozialleistungen angewiesen, da ihr Einkommen aus dem Yogaunterricht nicht ausreicht.

Die Mehrheit der ukrainischen Geflüchteten in Deutschland ist ebenfalls arbeitslos oder bezieht Sozialleistungen. Nur etwa 15,7 Prozent der neu ins Land gekommenen Ukrainerinnen und Ukrainer haben eine sozialversicherungspflichtige Anstellung gefunden. Ein Viertel wird als arbeitslos eingestuft, während einige weitere an Integrationsmaßnahmen wie Sprachkursen teilnehmen.

Die Verzögerungen bei der Arbeitsmarktintegration werden hauptsächlich auf die Fokussierung auf den Spracherwerb zurückgeführt. Die Formel „erst Deutsch lernen, dann Arbeit finden“ bestimmt den Integrationsprozess für viele Ukrainerinnen und Ukrainer. Bundesminister Hubertus Heil hat kürzlich das „Job-Turbo“ Konzept eingeführt, um die Beschäftigungschancen für ukrainische Geflüchtete zu erhöhen, indem Unternehmen ermutigt werden, trotz eingeschränkter Deutschkenntnisse einzustellen.

Beispiele wie das Unternehmen Westenergie zeigen, wie gezielte Maßnahmen die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten verbessern können. Mit speziellen Programmen und Unterstützung während der Einarbeitungszeit können Unternehmen wie Westenergie qualifizierte Fachkräfte wie Elektroingenieure wie Oleksandr Orlov einstellen und langfristig etablieren. Solche Programme tragen nicht nur zur beruflichen Integration bei, sondern wurden auch für den Deutschen Fachkräftepreis der Bundesregierung nominiert.

Obwohl die Integration von ukrainischen Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt noch zögerlich verläuft, bieten Programme wie die von Westenergie hoffnungsvolle Perspektiven. Durch gezielte Maßnahmen und Unterstützung können qualifizierte Fachkräfte aus der Ukraine langfristig in deutschen Unternehmen Fuß fassen und einen Beitrag zur Stärkung des Arbeitsmarktes leisten.

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Sophie Müller

Sophie Müller ist eine gebürtige Stuttgarterin und erfahrene Journalistin mit Schwerpunkt Wirtschaft. Sie absolvierte ihr Studium der Journalistik und Betriebswirtschaft an der Universität Stuttgart und hat seitdem für mehrere renommierte Medienhäuser gearbeitet. Sophie ist Mitglied in der Deutschen Fachjournalisten-Assoziation und wurde für ihre eingehende Recherche und klare Sprache mehrmals ausgezeichnet. Ihre Artikel decken ein breites Spektrum an Themen ab, von der lokalen Wirtschaftsentwicklung bis hin zu globalen Finanztrends. Wenn sie nicht gerade schreibt oder recherchiert, genießt Sophie die vielfältigen kulturellen Angebote Stuttgarts und ist eine begeisterte Wanderin im Schwäbischen Wald.

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