Gedenkfeier in Stuttgart: Erinnern an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers
Am 9. Mai 2025 gedenken 200 Menschen in Stuttgart der sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Zweiten Weltkrieg starben.

Gedenkfeier in Stuttgart: Erinnern an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers
Am 9. Mai 2025 versammelten sich rund 200 Menschen am Steinhaldenfriedhof in Stuttgart, um den im Zweiten Weltkrieg bestatteten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern zu gedenken. Dieser Tag wurde besonders geprägt durch das Andenken an die vermutlich rund 700 sowjetischen Opfer, die während dieser tragischen Epoche ihr Leben verloren. Die Teilnehmer, überwiegend Russen, legten Blumen nieder und hielten eine Prozession zu den Gedenksteinen ab, während ein Gottesdienst zur Würdigung der Gefallenen stattfand. Diese Gedenkveranstaltung spiegelt die tiefen Wunden und das Gedächtnis an die Schrecken des Krieges wider, die bis heute in der Stadt präsent sind. Laut den Berichten von den Stuttgarter Nachrichten fanden auf diesem Friedhof zahlreiche der in einem Kriegsgefangenenlager gefallenen Männer ihre letzte Ruhestätte.
Das Kriegsgefangenenlager in Gaisburg, das zwischen 1940 und 1943 existierte, war ursprünglich im Jahr 1934 von der gleichgeschalteten Stadtverwaltung Stuttgart eingerichtet worden. Es begann als Pflichtarbeitslager für Arbeitslose und politisch unliebsame Personen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wandelte sich dieses Lager in eine Einrichtung für Kriegsgefangene, die hier zur Zwangsarbeit in verschiedenen Einrichtungen, unter anderem dem Kraftwerk Münster und dem Klärwerk, herangezogen wurden. Die überwiegende Mehrheit der Gefangenen zu Beginn bestand aus Franzosen, während ab 1942 ein zusätzliches „Russenlager“ eingerichtet wurde, in dem viele sowjetische Soldaten festgehalten wurden. Die Stadt Stuttgart beschreibt, dass der Luftangriff der Alliierten in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1943 das Lager traf. Tragischerweise starben dabei 434 Menschen, was diesen Angriff zu dem tödlichsten in Stuttgart an einem einzelnen Ort machte.
Die Gedenktafel
Um an die schrecklichen Ereignisse und die Opfer zu erinnern, wurde 2002 eine Gedenktafel von Kurt Weidemann entworfen. Diese wurde initiiert durch die Initiative Muse-O e.V. und Dr. Elmar Blessing und steht gegenüber der Haltestelle Brendle. Auf der Tafel ist folgender Text zu lesen: „Kriegsgefangenenlager / 1940-1943. Vierhundert Meter nördlich von hier stand im Zweiten Weltkrieg das städtische Kriegsgefangenenlager Gaisburg. In der Nacht von 14. auf 15. April 1943 fanden in diesem Lager 434 französische, sowjetische, belgische und deutsche Männer bei einem Bombenangriff den Tod. Vergessen wir sie nicht!“ Diese Gedenktafel ist ein wichtiges Zeichen des Gedenkens an die grausamen Schicksale derjenigen, die in diesem Lager leiden mussten, und wird somit zur Mahnung für künftige Generationen. Weitere Informationen über die Gedenktafel finden sich auf Stuttgart im Bild.
Obwohl heute keine physischen Spuren des einstigen Kriegsgefangenenlagers mehr zu erkennen sind, bleibt das Gedächtnis an die Opfer lebendig. Die Gedenkfeier und die permanenten Erinnerungstafeln haben eine unverzichtbare Rolle im kollektiven Gedächtnis der Stadt Stuttgart eingenommen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass die Schrecken der Vergangenheit nicht vergessen werden dürfen.