Die laufenden Gerichtsverhandlungen über den Fall von Anna W. in Vaihingen sind von einem besonderen Maß an Dramatik geprägt. Nachdem am Dienstag, den 4. November, eine zusätzliche Zeugenvernehmung stattfand, beantragte Verteidiger Jan Smollich, den Hausarzt von Anna W. als Zeugen hinzuzuziehen. Interessanterweise zieht er es jedoch vor, eine schriftliche Stellungnahme des Arztes vorzulegen, anstatt ihn persönlich vor Gericht zu vernehmen. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Verteidiger die Komplexität des Falls minimieren möchte.
Am Schluss des Prozesses, der am Dienstag, den 28. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt wird, ist eine intensive Phase der Urteilsfindung geplant. Laut dem Vorsitzenden Richter Martin Liebisch kann jedoch nicht garantiert werden, dass die Plädoyers am letzten Verhandlungstag durchgeführt werden. Diese Ankündigung sorgt für Unsicherheit, da die Tagesordnung neben den Plädoyers auch eine Beratung, das Schlusswort und schließlich die Urteilsverkündung beinhaltet.
Wichtigkeit der Plädoyers
Das Plädoyer, auch Schlussvortrag genannt, spielt eine zentrale Rolle im Strafverfahren. Es dient dazu, den in der Hauptverhandlung ermittelten Sachverhalt zusammenzufassen und eine rechtliche Bewertung zu bieten. In Deutschland wird zwischen dem Plädoyer der Anklage und der Verteidigung unterschieden. Während der Staatsanwalt das Ergebnis der Hauptverhandlung erörtert und mit einem konkreten Antrag schließt, ist das Plädoyer der Verteidigung nicht an einen bestimmten Strafantrag gebunden. Diese Aspekte wurden in der Wikipedia und auf kanzlei.law ausführlich behandelt.
Plädoyers sind nicht nur für die Anwälte von Belang. Auch Nebenkläger und Privatkläger haben das Recht, ihre Sichtweise darzustellen. Umso wichtiger wird dieses Verfahren, je länger die Hauptverhandlung andauert, denn es bietet beiden Seiten die Möglichkeit, ihren Standpunkt vor dem Schlusswort des Angeklagten und der Urteilsverkündung zu verdeutlichen. Dabei sind Plädoyers oft die letzte Chance, das Gericht von der jeweiligen Argumentation zu überzeugen, da Richter nicht an die Anträge gebunden sind und auch über Vorschläge hinausgehen können.
Im Fall von Anna W. bleibt abzuwarten, wie sich die Argumente der Verteidigung darstellen werden. Smollich wird vermutlich den Fokus auf ein mildes Urteil legen und sich mit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft auseinandersetzen. Die kommende Verhandlung könnte entscheidende Wendepunkte bringen, die den Ausgang des Prozesses erheblich beeinflussen. In jedem Fall wird der Schlusstag am 28. Oktober auch die Entscheidung des Richters darüber beeinflussen, ob die Plädoyers wie geplant stattfinden werden oder ob weitere Verzögerungen auftreten.