Im Herzen von Stuttgart-Birkach steht das einstige Tagungszentrum Haus Birkach, das seit Ende Februar 2023 leersteht. Die letzten Mitarbeiter haben das Gebäude verlassen, das mit seinen fast 8000 Quadratmetern und einer Investition von 14 Millionen Euro im Jahr 2013 technisch saniert wurde. Die evangelische Kirche, Eigentümerin des Hauses, hat entschieden, sich von dem kostenintensiven Gebäude zu trennen, ohne jedoch konkrete Informationen über mögliche Käufer oder Verhandlungen zu kommunizieren. Der Sprecher der Kirche, Dan Peter, bestätigte, dass verschiedene Optionen geprüft werden, um eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu finden. Allerdings hat die Stadt Stuttgart im vergangenen Jahr eine Vollausnutzung des Gebäudes abgelehnt, da kein Bedarf besteht und Umbaumaßnahmen den Denkmalschutz betreffen würden. Quelle.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Verein „Zukunft Haus Birkach“ gegründet, der sich für eine gemeinwohlorientierte Nutzung des Gebäudes einsetzt. Die Vereinsvorsitzende Monika Lehmann sieht großes Potenzial für Seminare, Schulprogramme, Co-Working-Spaces und weitere Angebote, die der Gemeinschaft zugutekommen könnten. Die Tübinger Nestbau AG berät den Verein und wird dabei vom Land mit 10.000 Euro gefördert. Der Verein wurde zudem mit 5000 Euro vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen ausgezeichnet, um seine Initiative zu stärken. Diese finanziellen Unterstützungen sind ein wichtiger Schritt, um das Haus für die Gemeinschaft zu revitalisieren und einen offenen Austausch mit der Bevölkerung zu ermöglichen.

Gemeinwohlorientierte Perspektiven

Das Projekt „Lebenswerter Stadtbezirk mit Haus Birkach“ zielt darauf ab, das leerstehende Tagungszentrum in ein offenes, gemeinwohlorientiertes Stadtteilzentrum umzuwandeln. Die Zusammenarbeit mit der Kirche, dem Bezirksamt und zivilgesellschaftlichen Initiativen ist dabei zentral. Geplant sind Angebote in den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales und nachhaltige Entwicklung. Ein breiter Beteiligungsprozess mit Bürgerinnen und lokalen Organisationen soll ein Leitbild und konkrete Nutzungsideen entwickeln. Besonders wichtig ist die Einbindung von wenig beteiligten Gruppen wie Seniorinnen, Geflüchteten, Jugendlichen und Familien mit Migrationsgeschichte. Dies soll den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil stärken und ein inklusives Wir-Gefühl fördern. Bereits rund 100 Interessierte haben an öffentlichen Veranstaltungen teilgenommen, um ihre Ideen und Wünsche einzubringen. Quelle.

Die Rolle der Zivilgesellschaft

Der Fall Haus Birkach ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie zivilgesellschaftliches Engagement das Gemeinwohl in Städten fördern kann. Emanzipierte Bürgerinnen fordern zunehmend mehr Mitsprache bei der Stadtgestaltung und setzen sich aktiv für gemeinwohlorientierte Projekte ein. Wichtige Themen wie bezahlbarer Wohnraum, gemischte Quartiere sowie soziale und kulturelle Angebote sind in diesem Kontext von Bedeutung. Der Aushandlungsprozess zwischen Kommunen und gemeinwohlorientierten Initiativen birgt Herausforderungen, aber auch Chancen. Eine Ermöglichungskultur, die über Zuständigkeiten hinausgeht, ist entscheidend für den Erfolg solcher Projekte. Für das Haus Birkach bedeutet das, dass sowohl die Kirche als auch die Stadt Stuttgart gefordert sind, ihre Rolle in diesem Prozess zu überdenken. Quelle.

Die Zukunft des Haus Birkach bleibt spannend. Der Verein „Zukunft Haus Birkach“ hat mit seinem Ansatz, verschiedene gesellschaftliche Gruppen einzubeziehen und eine gemeinwohlorientierte Nutzung zu fördern, das Potenzial, das Gebäude zu einem wichtigen Teil des Stadtteils zu machen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verhandlungen zwischen den Beteiligten entwickeln und ob die Ideen und Wünsche der Bürgerinnen in die Realität umgesetzt werden können.