Das Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen steht vor einer ungewissen Zukunft. Ende Oktober 2025 hat der Gemeinderat beschlossen, das Museum abzuwickeln. Dieser Schritt kommt, obwohl die Sammlung, die Europas größte öffentliche Spielkartensammlung umfasst, mit beeindruckenden 32.000 archivierten Kartenspielen aufwartet. Die Stadt hat angekündigt, den Vertrag mit dem Land, der Ende 2026 ausläuft, nicht zu verlängern. Dies ist besonders bedauerlich, zumal eine großzügige Millionenspende zur Rettung des Museums abgelehnt wurde.

Bürgermeister Carl-Gustav-Kalbfell hat Bedenken geäußert, dass die wertvollen Karten einfach weggeschlossen werden könnten. Der Förderverein des Museums hat sich das Ziel gesetzt, die Sammlung in Baden-Württemberg zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei warten tausende gespendete Kartenspiele auf ihre Erfassung. Zwei Gutachten sind in Auftrag gegeben worden, um den Wert der städtischen Exponate sowie der Bibliothek im Museum zu bewerten. Der Gemeinderatsausschuss hat sich für diese Gutachten ausgesprochen, um dem Förderverein ein Vorkaufsrecht einzuräumen.

Die Bedeutung der Sammlung

Die Sammlung des Deutschen Spielkartenmuseums ist nicht nur quantitativ beeindruckend, sondern auch qualitativ. Sie umfasst über 30.000 Kartenspiele und mehr als eine Million Einzelkarten aus sieben Jahrhunderten und allen fünf Kontinenten. Besonders hervorzuheben sind die Lehr- und Wahrsagekarten, die einen breiten Raum in der Sammlung einnehmen. Zudem besitzt das Museum Kartenpressen, Spieltische und eine umfangreiche Spezialbibliothek, die das kulturelle und historische Geschehen widerspiegeln.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist die asiatisch-indische Spielkartensammlung, die als die umfassendste und schönste weltweit gilt. Im Jahr 2022 feierte die Sammlung ihr 40-jähriges Jubiläum und erhielt 2005 die Auszeichnung „Besondere Sehenswürdigkeit der Region Stuttgart“. Diese Ehrung unterstreicht die kulturelle Relevanz des Museums, das auch wechselnde Ausstellungen im Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen präsentiert.

Zukunftsperspektiven und Herausforderungen

Die Unklarheit über den zukünftigen Träger des Deutschen Spielkartenmuseums erschwert die Beantragung von Fördermitteln. Das Landesmuseum plant, das Vorkaufsrecht für die städtischen Karten auszuüben, möchte jedoch nur Teile des Bestands übernehmen. Dies lässt viele Fragen offen, insbesondere hinsichtlich der Objekte, die schwer monetär einzuordnen sind. Ein kürzliches Gespräch zwischen Vertretern des Landesmuseums, der Stadt und des Fördervereins brachte keine klaren Lösungen.

Ein fehlendes Bekenntnis zum Kulturgut Spielkarte von Seiten des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Leinfelden-Echterdingen könnte sich als entscheidend für die Zukunft des Museums herausstellen. Die Öffnungszeiten des Museums, die mittwochs von 14 Uhr bis 17 Uhr und an weiteren Tagen variieren, bieten Besuchern die Möglichkeit, die wertvolle Sammlung kostenfrei zu erleben. Honorarpflichtige Gästeführungen sind nur nach telefonischer Voranmeldung oder per E-Mail möglich.

Für die Zukunft des Spielkartenmuseums bleibt abzuwarten, ob die Stadt und das Land eine Lösung finden, die die kulturelle Bedeutung dieser einzigartigen Sammlung würdigt. Der Erhalt der Sammlung ist nicht nur für die Region von Bedeutung, sondern auch für die Bewahrung eines wichtigen Teils der Spielkartenkultur in Europa. Weitere Informationen finden Sie in den offiziellen Quellen: Stuttgarter Nachrichten und Leinfelden-Echterdingen.