Die evangelische Erlöserkirche in Stuttgart, auch bekannt als „Kirche im Weinberg“, steht vor einer ungewissen Zukunft. Diese historische Kirche wurde zwischen 1906 und 1908 nach den Plänen des Architekten Theodor Fischer erbaut und erlebte 1944 ihre Zerstörung durch Bomben, bevor sie wiederaufgebaut wurde. Doch nun reicht das Geld nicht mehr für den Erhalt der Erlöserkirche und der dazugehörenden Gebäude. Die Nordgemeinde, die rund 4000 Mitglieder zählt, konzentriert sich zunehmend auf ihre beiden anderen Kirchen, die Martinskirche und die Brenzkirche. Daher wird eine neue Nutzung für die Erlöserkirche gesucht, um ihre future zu sichern und der kulturellen sowie diakonischen Nutzung Raum zu geben. [Stuttgarter Nachrichten]

Um innovative Nutzungskonzepte zu entwickeln, haben Architekturstudierende der Universität Stuttgart unter der Leitung von Professor Alexander Schwarz an einer Lehrveranstaltung gearbeitet. Diese Studierenden haben Entwürfe für die zukünftige Nutzung der Kirche als Ausstellungs- oder Konzertraum erstellt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Kirchenraum präsentiert, und die Veranstaltung wurde als wertvolle Bereicherung für den Austausch über die Zukunft des Erlöserensembles bezeichnet. Die Pfarrstelle der Erlöserkirche soll bis 2030 bestehen bleiben, während das Land Baden-Württemberg Initiativen zur Umnutzung von Kirchen mit dem Preis „Kirche und bezahlbares Wohnen“ unterstützt. Zehn kirchliche Projekte erhalten jeweils 5.000 Euro für ihre innovativen Umnutzungskonzepte.

Diskussion über die Zukunft der Erlöserkirche

Die Frage nach der zukünftigen Nutzung der Erlöserkirche ist nicht nur eine architektonische, sondern auch eine emotionale Angelegenheit. Florian Link, der geschäftsführende Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord, hat dies deutlich gemacht. Die Veranstaltung „Quo vadis, Erlöserkirche?“ wird am Mittwoch, dem 11. Februar 2026, um 16:30 Uhr in der Erlöserkirche stattfinden. Gemeindemitglieder und Interessierte sind eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen, die mit einer Einleitung und Führung durch Professor Schwarz beginnt, gefolgt von einer Fragerunde mit den Studierenden. [Stuttgart Evangelisch]

Diese Diskussion über die Umnutzung von Kirchen ist kein neues Phänomen in Deutschland, sondern wird seit den letzten 30 Jahren sowohl gesellschaftlich als auch innerkirchlich intensiv geführt. Kirchenumbauten sind historisch nachweisbar seit dem Mittelalter und finden sich in vielen Formen, wie etwa der Umwandlung von Klosterräumen in Schulräume oder von ehemaligen Klosteranlagen in landwirtschaftliche Betriebe. Die Multifunktionalität in der Architektur hat sich als eine weit verbreitete Praxis etabliert, wobei viele Kirchenräume, die aufgrund von Mitgliederschwund und sinkenden Kirchensteuereinnahmen nicht mehr als Gottesdienstraum genutzt werden, neue Bestimmungen erhalten können. [bpb.de]

Der Weg in die Zukunft

Die Herausforderungen, die die Umnutzung von Kirchen mit sich bringt, sind vielschichtig. Es gilt, den Erhalt der Gebäudesubstanz zu sichern und gleichzeitig neue Nutzungsmöglichkeiten zu finden, die sowohl kulturellen als auch sozialen Bedürfnissen Rechnung tragen. Die Transformation von Kirchenräumen zielt darauf ab, sie als Resonanzräume für die Gesellschaft zu betrachten. Diese Initiative ist das Ergebnis eines Wandels, der sowohl ökonomische als auch ökologische und sozialpolitische Gründe berücksichtigt. Eine nachhaltige Nutzung, etwa durch den Einbau von Solarpanelen, könnte nicht nur den ökologischen Fußabdruck der Erlöserkirche reduzieren, sondern auch neue Impulse für die Gemeinde schaffen.

In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden in ganz Baden-Württemberg schätzungsweise 5.000 kirchliche Immobilien frei, was die Notwendigkeit verstärkt, innovative und tragfähige Konzepte für die Umnutzung zu entwickeln. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um die Erlöserkirche entwickeln wird und welche Lösungen letztlich gefunden werden, um das Erbe dieser historischen Stätte zu bewahren und gleichzeitig neue Wege für die Zukunft zu beschreiten.