Am 27. Februar 2026 wird der renommierte Russlandkenner und Publizist Jens Siegert im Schloss Waldenbuch einen spannenden Vortrag halten. Unter dem Titel „Wohin treibt Russland – was kommt nach Putin?“ wird er ab 18 Uhr die Zukunft des Landes nach dem langjährigen Präsidenten Wladimir Putin beleuchten. Siegert, der viele Jahre das Russland-Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Moskau leitete, wird dabei auf die Rolle der Zivilgesellschaft, der jungen Menschen und der politischen Opposition eingehen.

Ein zentrales Thema des Vortrags ist die Frage, ob die Menschen in Russland sich eine Demokratie wünschen und was sie sich darunter vorstellen. Diese Thematik ist besonders aktuell, da Wladimir Putin seit dem 24. Februar 2022 einen Krieg in der Ukraine führt und die politische Repression im Land stark zugenommen hat. Laut Siegert wollen die meisten Menschen in Russland Frieden und lehnen den Krieg gegen die Ukraine ab, auch wenn viele aus historischen Gründen den Konflikt unterstützen. Nach dem Vortrag wird es eine moderierte Diskussion geben, gefolgt von persönlichen Gesprächen ab circa 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, während Schüler, Azubis und Studierende freien Eintritt haben. Weitere Informationen finden Sie in den Stuttgarter Nachrichten hier.

Die Rolle der Zivilgesellschaft und der Opposition

Im Rahmen seines Vortrags wird Siegert die verschiedenen Szenarien erörtern, die Russland nach Putins Ära erwarten könnten. Er sieht drei Hauptmöglichkeiten: Ein Nachfolger aus der politischen Elite könnte das Land wieder öffnen, ein von Putin installierter Nachfolger könnte den aktuellen Kurs fortsetzen oder es könnte zu einer aggressiven Konfrontation mit dem Westen kommen. Diese Überlegungen sind besonders relevant, da Putins Herrschaft stark personalisiert und legitimiert ist, und die Meinungen in der Bevölkerung über den Status der Demokratie und die Schuldfrage im Ukraine-Konflikt geteilt sind.

Die politische Repression in Russland hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen, was zu einer vorsichtigen Haltung der Bevölkerung geführt hat. Während laut Umfragen über 50 Prozent der Russen für Demokratie sind, variieren die Definitionen und Vorstellungen davon stark. Viele Menschen wünschen sich grundlegende Freiheiten wie Reisen und Wählen, während die Realität von drakonischen Strafen gegen Antikriegsproteste und einer nahezu vollständigen Zensur unabhängiger Medien geprägt ist. Diese Entwicklungen sind eng mit dem Verlauf des Krieges verknüpft. Weitere Einblicke in die Auswirkungen des Krieges auf die Innenpolitik und Gesellschaft in Russland finden Sie in einem ausführlichen Dossier der Stiftung Wissenschaft und Politik hier.

Ein Blick in die Zukunft

Die innenpolitische Lage in Russland wird durch die militärischen Misserfolge im Ukraine-Krieg und interne Konflikte, wie die Meuterei von Jewgenij Prigoschin, stark beeinflusst. Diese Meuterei führte zwar zunächst zu einer Phase der Regime-Stabilisierung, jedoch ist die Frage, wie es nach Putins vermeintlichem Abgang weitergeht, nach wie vor offen. Bei der manipulierenden Präsidentschaftswahl im März 2024 wurde Putin für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt, während der wichtigste Oppositionspolitiker Alexej Nawalny im Straflager verstarb – ein erheblicher Schlag für die Antikriegsfraktion.

Insgesamt wird Jens Siegerts Vortrag eine Gelegenheit bieten, die komplexe und unsichere Zukunft Russlands zu ergründen. Das Engagement der Zivilgesellschaft und die Stimmen der jungen Generation könnten entscheidend dafür sein, welchen Weg das Land nach Putin einschlagen wird.