Die Metzgerei Schattmaier in Wangen schließt nach nahezu 90 Jahren ihren Stammsitz an der Lindauer Straße. Der letzte Öffnungstag war am Heiligabend 2025. Das traditionsreiche Geschäft, welches 1939 von Hans Schattmaier gegründet wurde, ist nicht nur für die Anwohner ein vertrauter Ort gewesen, sondern auch ein bedeutender Nahversorger. Der charakteristische geschwungene Schriftzug und das rote Rinderkopf-Wappen an der Fassade prägten über Jahrzehnte das Straßenbild.

Hannes Schattmaier übernahm den Betrieb 1998 und erweiterte ihn 2008 mit einer Filiale in Neuravensburg. Nach der Schließung des Ladens am Hauptsitz bezieht die Metzgerei weiterhin Fleisch und Wurstwaren von regionalen Kollegen, da die eigene Schlachtung nicht mehr möglich ist. Der Hauptgrund für die Schließung sind jedoch personelle Engpässe: Zwei von vier Mitarbeitern verließen Ende 2025 das Unternehmen, was eine erhebliche Herausforderung darstellt. Die Suche nach Fachpersonal und Auszubildenden gestaltet sich als schwierig. Aktuell müssen Azubis nach Biberach zur Berufsschule fahren.

Lokale Herausforderungen und Kundeneinbußen

Zusätzlich gibt es lokale Problematiken, die zur Schließung beigetragen haben. Die unattraktive Einkaufsstraße mit wenigen Parkplätzen und der erschwerte Zugang durch die Baustelle am Bischof-Sproll-Haus führten zu einem spürbaren Kundenverlust. Trotz dieser Widrigkeiten plant Hannes Schattmaier, eventuell nach Abschluss der Baustelle und einem tragfähigen Konzept wieder zu eröffnen oder die Räumlichkeiten zur Vermietung anzubieten. Währenddessen bleibt die Filiale in Neuravensburg geöffnet und bietet weiterhin Imbiss, Catering und Mittagessen an. Kunden können vorab telefonisch Mittagsmenüs im Wangener Geschäft bestellen.

Die Stadt hat bereits städtebauliche Maßnahmen zur Aufwertung der Lindauer Straße in Aussicht gestellt, allerdings existiert derzeit kein aktuelles Konzept dafür. Eine Umwidmung der L 320 könnte zusätzlich Freiraum für gestalterische Verbesserungen bieten.

Der Trend in der Branche

Die Schließung der Metzgerei Schattmaier ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern spiegelt einen breiteren Trend in Deutschland wider. Viele Metzgereien kämpfen mit einem akuten Personalmangel, dem starken Konkurrenzdruck durch Discounter und den veränderten Ernährungsgewohnheiten der Verbraucher. Laut einem Bericht des Deutschlandfunks sind mittlerweile nur noch über 10.000 Meisterbetriebe in Deutschland aktiv, was einen fast halben Rückgang seit 2002 bedeutet.

Die sinkende Zahl der Auszubildenden im Fleischerhandwerk ist alarmierend. Die Ausbildungszahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gefallen. Während im Jahr 2000 noch über 9.500 Azubis eine Ausbildung im Fleischerhandwerk Anstrebten, reduzierte sich diese Zahl bis 2023 auf rund 2.300. Auch die Essgewohnheiten der Konsumenten ändern sich; der durchschnittliche Fleischkonsum sinkt stetig, während viele Verbraucher zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und artgerechte Tierhaltung legen.

Reinhard von Stoutz vom Deutschen Fleischer-Verband sieht die Sorge um das Aussterben der Fleischereien als unbegründet, betont jedoch die Notwendigkeit, den direkten Kontakt zu den Kunden zu suchen und individuelle Einkaufserlebnisse zu schaffen. Die Schattmaiers stehen exemplarisch für die Herausforderungen und Veränderungen, denen die Branche gegenübersteht.

Mit der Schließung der Metzgerei Schattmaier verabschiedet sich ein weiterer Teil traditioneller Nahversorgung aus der Wangen. Doch die verbleibende Filiale in Neuravensburg könnte der Beginn eines neuen Kapitels für die Familie Schattmaier sein.