Am Donnerstag, den 26. Februar 2026, wird die Stadtbücherei Wangen eine besondere Lesung veranstalten, die sich mit der bewegten Geschichte Südtirols auseinandersetzt. Die Autorin Sabine Peer, die über umfangreiche Erfahrung in der Literatur und Redaktion verfügt, wird ab 19:30 Uhr aus ihrem Buch „Heimat im Gepäck – Wahre Geschichten von Südtiroler Auswanderern“ lesen. Dieses Werk beleuchtet die Herausforderungen, denen sich die Südtiroler in den 1960er-Jahren gegenübersahen, insbesondere in Bezug auf fehlende Perspektiven, Geldnot und eine prekäre politische Lage. Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, und Karten sind in der Stadtbücherei oder an der Abendkasse erhältlich. Quelle

In ihrem Buch erzählt Peer die Geschichten von vier Auswanderern aus Südtirol, darunter Eduard Wörndle, Jahrgang 1943, der seit 1961 in Wangen lebt. Die Erzählungen heben nicht nur die persönlichen Schicksale hervor, sondern reflektieren auch die gesellschaftlichen Umstände, die viele junge Menschen dazu brachten, ihre Heimat zu verlassen. Oft war der Zugang zu gut bezahlten Arbeitsplätzen und leistbarem Wohnraum für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol stark eingeschränkt. Eine adäquate Ausbildung in deutscher Sprache war häufig teuer und unerschwinglich, was die Situation weiter verschärfte. Viele junge Männer, getrieben von der Angst vor dem italienischen Militärdienst und den Unruhen, wie der „Feuernacht“ von 1961, suchten ihr Glück im Ausland. Auch junge Frauen strebten häufig nach einem selbstbestimmten Leben. Quelle

Südtirol: Ein Blick in die Geschichte

Die Geschichte Südtirols ist eng mit den politischen und sozialen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts verknüpft. Seit der Besetzung durch italienische Truppen im November 1918 und dem darauffolgenden Verlust der Region an Italien im Jahr 1919, hat sich das Leben der Südtiroler grundlegend verändert. Damals war die Bevölkerung überwiegend deutschsprachig, was im Laufe der Jahrzehnte jedoch zu einem Rückgang führte. Die Italianisierungsphase, die mit Mussolinis Machtergreifung 1922 begann, brachte Zwangsmaßnahmen mit sich, die die deutsche Sprache und Kultur in der Region stark bedrohten. Quelle

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine weitgehende Autonomie für die deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerungsgruppen eingeführt, die in Form des Gruber-De-Gasperi-Abkommens von 1946 festgeschrieben wurde. Dennoch bestehen Spannungen zwischen den verschiedenen Sprachgruppen bis heute, insbesondere im Bildungssystem. Der Weg zur Autonomie Südtirols gilt als ein erfolgreiches Modell für den Umgang mit ethnischen Minderheiten, doch die Herausforderungen bleiben bestehen.