In der Nacht auf Dienstag, dem 29. Januar 2026, brach in einer Unterkunft in der Zeppelinstraße in Wangen im Allgäu ein Brand aus. Ein 49-jähriger Bewohner wird verdächtigt, das Feuer absichtlich gelegt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg hat bereits Ermittlungen wegen versuchter schwerer Brandstiftung gegen den Mann eingeleitet. Der Verdächtige, ein Ukrainer, hatte zuvor in seinem Zimmer randaliert, wobei er persönliche Gegenstände in Brand steckte. Mitbewohner bemerkten die Rauchentwicklung und konnten den Brand mit einem Feuerlöscher löschen, bevor Schlimmeres geschah. Der 49-Jährige wurde anschließend von der Polizei in Gewahrsam genommen, da sein Zustand eine fachärztliche Behandlung erforderte. Verletzte gab es bei dem Vorfall nicht, jedoch wurde ein geringer Sachschaden durch Brandflecken auf dem Boden verursacht. Der Mann wurde am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt, der einen Untersuchungshaftbefehl erließ.

Dies ist nicht der erste Brandvorfall in dieser Unterkunft. Im Dezember vergangenen Jahres setzte ein 42-jähriger Kroate während einer ähnlichen Situation einen Gegenstand in seinem Zimmer in Brand, was zu einem erheblichen Sachschaden von rund 250.000 Euro führte. Bei diesem Vorfall war die Feuerwehr gefordert, als das Zimmer bereits in Vollbrand stand. Ein 21-Jähriger, der sich im selben Zimmer befand, erlitt dabei leichte Rauchgasverletzungen.

Psychische Probleme als Ursache

Die wiederholten Vorfälle in der Unterkunft werfen zudem Fragen zur psychischen Gesundheit der Bewohner auf. Laut einer Untersuchung der Technischen Universität München sind mehr als zwei Drittel der wohnungslosen Menschen in Deutschland von psychischen Erkrankungen betroffen. Nur etwa ein Drittel erhält eine angemessene psychiatrische Versorgung. Die sog. „Enthospitalisierung“, die seit den 1970er Jahren vermehrt stattfand, wird als Mitverursacher der Obdachlosigkeit identifiziert. Rund 300.000 Menschen sind in Deutschland wohnungslos, darunter etwa 25.000, die auf der Straße leben. Dies zeigt deutlich, dass es eine Versorgungslücke in der psychiatrischen Behandlung gibt.

Die medizinische Versorgung von Wohnungslosen ist häufig unzureichend, was in vielen Fällen verhindert, dass sie die nötige Unterstützung erhalten. Forscher fordern eine Verbesserung der psychiatrischen Betreuung, um den Betroffenen bessere Chancen auf ein Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Schutzräume ohne forcierte Therapieanforderungen könnten ein wirkungsvoller Ansatz sein, um diesen Menschen eine Rückkehr in ein stabileres Leben zu erleichtern.

In Anbetracht der Vorfälle zeichnen sich in Wangen im Allgäu dringend notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen und der psychischen Gesundheit der Bewohner ab. Die Kombination aus Brandstiftungen und psychischen Erkrankungen verdeutlicht, wie komplex und vielschichtig die Probleme im Umgang mit obdachlosen Menschen sind. Ein umfassendes Versorgungskonzept wäre notwendig, um dieser Vulnerabilität entgegenzuwirken.