Im Rems-Murr-Kreis sorgt eine altdeutsche Schäferhündin namens Viva für positive Veränderungen im Gerichtssystem. Sie ist Teil eines Vernehmungsbegleithunde-Teams, das Kindern helfen soll, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und darüber zu sprechen, wenn sie vor Gericht aussagen müssen. Daniela und Jessica Nagl gehören zu den insgesamt acht Teams der gemeinnützigen Gesellschaft PräventSozial, die dieses wertvolle Projekt unterstützen. Der Junge, der Viva mit einer Leine führt, fühlt sich durch die Hündin sicher und beschützt, während er sich an ein schlimmes Erlebnis erinnert. Der Gerichtssaal, in dem diese wichtigen Aussagen stattfinden, befindet sich in Waiblingen und ist oft ein belastender Ort für die kleinen Zeugen.
In Baden-Württemberg werden „Vernehmungsbegleithunde“ gezielt eingesetzt, um traumatisierten Kindern und Jugendlichen seelischen Beistand zu leisten. Diese Initiative ist Teil eines neuen Qualifizierungsprogramms, das das erste seiner Art in Deutschland darstellt und vom Landesjustizministerium unterstützt wird. Die Ausbildung der Teams fand von März bis Dezember des Vorjahres statt und wurde von einer Tierärztin begleitet, um sicherzustellen, dass alles tierschutzgerecht und verantwortungsvoll gestaltet wird. Die Hunde, wie die ruhige und menschenbezogene Hündin Gina, liegen während der Vernehmungen oft auf einer Decke neben den Zeugen, um eine beruhigende Wirkung zu erzielen und die Stresslevel zu senken.
Der Einsatz von Vernehmungsbegleithunden
Das Programm zur Unterstützung von verletzlichen Zeugen wird derzeit aus eigenen Mitteln von PräventSozial finanziert und die Hunde kommen in verschiedenen Gerichten in Stuttgart, Ludwigsburg und Leonberg zum Einsatz. Ziel ist es, Stress, Angst und Unsicherheit bei den jungen Betroffenen abzubauen, um die Qualität der Aussagen zu verbessern. Die Justiz hat bereits Räume in den Gerichten zur Verfügung gestellt, in der Hoffnung, dass eine freundlichere Atmosphäre zu besseren Aussagen führt.
In mehreren Ländern, darunter die USA und Australien, sind ähnliche Programme bereits etabliert. Dort werden speziell ausgebildete Hunde eingesetzt, um betroffenen Personen während Vernehmungen zu helfen. Studien aus Nordamerika zeigen, dass tiergestützte Interventionen bei traumatisierten Kindern die Angst reduzieren und die Kooperation verbessern können. Physiologisch bewirken diese Interventionen eine Blutdrucksenkung, reduzierte Cortisolwerte und eine erhöhte Oxytocin-Ausschüttung, was zur emotionalen Stabilität der betroffenen Kinder beiträgt.
Herausforderungen und Perspektiven
Obwohl der Einsatz von Vernehmungsbegleithunden als unterstützende Maßnahme betrachtet wird, gibt es auch kritische Stimmen. Einige befürchten, dass die Anwesenheit von Hunden die Glaubwürdigkeit der Zeugen beeinflussen könnte. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass passive Hunde keinen signifikanten Einfluss auf die Urteilsbildung haben. Wichtige Faktoren für den erfolgreichen Einsatz sind eine professionelle Ausbildung der Hunde und klare Rahmenbedingungen, sodass sie als professionelle Partner und nicht als emotionale Hilfsmittel agieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Initiative, Vernehmungsbegleithunde wie Viva und Gina in Gerichtssälen einzusetzen, eine vielversprechende Möglichkeit darstellt, um traumatisierten Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen beizustehen. Mehr Informationen über die Entwicklung dieser Programme finden Sie in den Artikeln von ZVW und Tagesschau. Weitere Details zu den wissenschaftlichen Hintergründen finden Sie auch in diesem Artikel von Rundum.dog.