Am 8. Februar 2026 fand die Premiere des Schauspiels „Rand“ von Kiki Miru Miroslava Svolikova in der Spielstätte Nord in Stuttgart statt. Die Inszenierung wurde von Schauspiel-Studierenden präsentiert und bietet einen Einblick in die Welt des absurden Theaters, das sich mit den Rändern von Wahrnehmung, Bewusstsein und Vorstellungskraft auseinandersetzt. Wie die Esslinger Zeitung berichtet, wird das Stück als „verrückter Bühnenessay“ beschrieben, dessen Handlung an einem Ort spielt, an dem Kakerlaken aus Ritzen kriechen.
Zentrale Figur des Stückes ist ein Kammerjäger, der sich als „Kakerlakenpriester“ sieht. Seine Auffälligkeit spiegelt sich in seiner verstaubten und überladenen Tracht wider. Diese Gestaltung lässt bereits erahnen, dass die Produktion mit grotesken und surrealen Elementen spielt, was die Webseite des Schauspiel Stuttgart ebenfalls unterstreicht.
Absurditäten und gesellschaftliche Fragestellungen
Das Stück nutzt Tetrissteine als symbolische Elemente, die neue Ränder bilden und ineinander verschieben. Diese Metapher wird aufgegriffen, um die Bevorzugung der Mitte der Fläche zu illustrieren, während die unterste Reihe schnell verschwindet. Währenddessen beobachten Soziolog*innen das Geschehen, wiederum auf der Suche nach dem „letzten Einhorn“. Astronaut*innen, fern von der Erde, werden ebenfalls thematisiert und zeigen sich im Kontrast zu den ängstlichen Kakerlaken, die aus den Ritzen hervorlugen.
Ein unbeteiligter Beobachter, der jenseits des Bühnenrandes verweilt, scheitert schließlich in seiner Rolle als zaghafter Terrorist, was die Spannung und Komplexität der Handlung erhöht. Hier wird die Frage aufgeworfen, wer die Ränder der Gesellschaft und sozialer Konventionen definiert. Durch den Einsatz von Stroboskoplicht werden die Zuschauer zusätzlich in den Bann der Inszenierung gezogen.
Kontext des absurden Theaters
Die Inspiration für das Stück lässt sich im Kontext des absurden Theaters verorten, einer Theaterrichtung des 20. Jahrhunderts, die die Sinnfreiheit der Welt und den orientierungslosen Menschen thematisiert. Laut der Wikipedia entstand der Begriff in den 1950er Jahren in Frankreich und wurde durch Martin Esslins Monographie von 1961 populär. Werke von Dramatikern wie Eugène Ionesco und Samuel Beckett, bekannt für ihre radikale Ablehnung klassischer Theaterstrukturen, sind prägend für diese Sparte.
Das absurde Theater setzt sich mit Themen der Psychoanalyse auseinander und reflektiert eine anlasslose Weltsicht, die Ängste und Obsessionen der Menschen zeigt.
In der Produktion „Rand“ werden die klassischen Einheiten von Zeit, Handlung und Ort aufgelöst, was zu unlogischen Szenarien und absurde Handlungen führt. Diese charakteristischen Merkmale sind auch bei den Dramatikern der Avantgarde ausgeprägt, die versuchen, Gestik und Bühnenelemente gleichwertig zur Sprache zu nutzen. Das Vermischen von tragischen und komischen Elementen verstärkt die Wirkung der Inszenierung und verleiht ihr eine zusätzliche Dimension der Absurdität.
Mit dieser Premiere zeigt das Schauspiel Stuttgart nicht nur ein innovatives Werk von Kiki Miru Miroslava Svolikova, sondern auch einen faszinierenden Beitrag zur Diskussion über die Ränder unserer Gesellschaft und wie diese durch kreative Ausdrucksformen ins Licht gerückt werden.