In Vaihingen/Enz gibt es derzeit intensive Diskussionen über die Zukunft des „Vaisana“-Ärztehauses. Die Mieterinnen und Mieter des Hauses sind bestrebt, ihre Praxen und Einrichtungen am Standort Andreaestraße zu erhalten. Laut einem Artikel im Mühlacker Tagblatt gab es kürzlich ein Treffen zwischen Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth und Stadtbau-Geschäftsführer Anselm Laube, bei dem positive Signale ausgetauscht wurden. Die Mieter sehen die Stadtverwaltung als verlässlichen Partner und betonen den dringenden Bedarf an Klarheit über den weiteren Verlauf, insbesondere hinsichtlich der Vaihinger Stadtbau als möglicher neuer Eigentümerin des Objekts.
Die Stadt Vaihingen an der Enz bekräftigt ihr Interesse am Erwerb des ehemaligen Krankenhauses und des Ärztehauses Vaisana. Der Gemeinderat hat die Abstimmung über das Vorkaufsrecht vertagt, um der Verwaltung Zeit für vertiefte Verhandlungen mit der RKH Kliniken Holding zu geben. In diesem Kontext hat der Gemeinderat auch die Stadtverwaltung beauftragt, die Nutzungsmöglichkeiten des Grundstücks zu prüfen, insbesondere in den Bereichen Medizin, Pflege, Wohnen und Quartiersentwicklung. Dabei setzt sich der Gemeinderat für den Erhalt des Ärztehauses und der damit verbundenen 130 Arbeitsplätze ein. Diese Infrastruktur umfasst nicht nur 15 Haus- und Fachärzte, sondern auch weitere Praxen, eine Apotheke und ein Café.
Herausforderungen und Bedenken
Trotz der positiven Signale gibt es auch Herausforderungen. Einige Ärzte haben bereits angekündigt, das Vaisana Ärztehaus zu verlassen, nachdem sie um neue Mietverträge gekämpft hatten. Oberbürgermeister Skrzypek äußert Besorgnis über die mögliche Verunsicherung der Mieter und den Wegzug von Ärzten. Er betont die Notwendigkeit, das Areal als Teil eines Stadtquartiers mit seniorengerechten Wohnangeboten zu erhalten. In diesem Zusammenhang wird der Abriss der Gebäude für Luxusquartiere als nicht vertretbar angesehen, da die Stadt auf die Unterstützung aller Gremien für die Nachnutzung des Areals setzt.
Die Verzögerung der Abstimmung über das Vorkaufsrecht wurde als schlechtes Signal an die Ärzteschaft gewertet. Elf Gemeinderäte beantragten die Vertagung des Beschlusses, wobei zwei weitere Beschlussfassungen im Verwaltungsausschuss am 1. Dezember 2025 und im Gemeinderat am 10. Dezember 2025 beraten werden sollen. Bei einem möglichen Verkauf an einen Investor könnte der Gemeinderat das Vorkaufsrecht gemäß §24 BauGB ausüben, was zusätzliche Unsicherheiten mit sich bringt.
Quartiersentwicklung als Chance
Die Diskussion um das Vaisana Ärztehaus findet vor dem Hintergrund einer breiteren Perspektive zur Quartiersentwicklung statt. Laut einer Veröffentlichung des Deutschen Städtetages sind Quartiere eigenständige Handlungs- und Planungsräume, die sich durch infrastrukturelle und bauliche Eigenarten sowie durch sozialräumliche Verbindungen definieren. Sie sind groß genug, um alltägliche Besorgungen zu ermöglichen, und klein genug, um Nachbarn zu kennen. In diesem Sinne könnte die Entwicklung des Vaisana-Areals als Teil eines größeren Quartiers eine Chance darstellen, um den Herausforderungen der Transformation in der Stadt gerecht zu werden.
Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat arbeiten daran, die Bedürfnisse der Mieter und der medizinischen Versorgung vor Ort zu berücksichtigen. Kooperation, Koproduktion und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind entscheidend für die Resilienz der Quartiere. Die laufenden Gespräche sind ein Schritt in die richtige Richtung, um die Zukunft des Vaisana Ärztehauses und des gesamten Areals zu sichern.