In Baden-Württemberg stehen viele historische Innenstädte mit ihren engen Gassen und Fachwerkhäusern vor großen Herausforderungen bei der Umsetzung der Wärmewende. In diesem Zusammenhang haben Heizungsexperten und Verwaltungsfachleute in Vaihingen (Kreis Ludwigsburg) Lösungen vorgestellt, um den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht zu werden. Oberbürgermeister Uwe Skrzypek (parteilos) äußerte die Schwierigkeiten, die sich beim Ausbau von Solarmodulen aufgrund bestehender Denkmalschutzauflagen ergeben.
Um den Photovoltaik-Ausbau zu erleichtern, hat die Stadt Vaihingen ein Solarkataster entwickelt, eines der ersten seiner Art in Baden-Württemberg. Historisch schützenswerte Gebäude, die als besondere Kulturdenkmale eingestuft sind, sind nahezu vollständig von der Nutzung dieses Katasters ausgeschlossen. Bei anderen denkmalgeschützten Objekten ist die Installation von Photovoltaikanlagen jedoch unter bestimmten Auflagen möglich. Insgesamt wurden seit der Einführung des Solarkatasters vor zwei Jahren auf mehr als 50 Dächern der Stadt neue Solaranlagen installiert.
Denkmalschutz und Nachhaltigkeit
Denkmalschutz hat das Ziel, Kulturdenkmäler und kulturhistorisch relevante Gesamtanlagen dauerhaft zu erhalten und deren Verfälschung, Beschädigung oder Zerstörung zu verhindern. Diese gesetzliche Grundlage des Denkmalschutzes ist nicht nur Teil des Kulturgutschutzes, sondern auch wichtig für die Erhaltung der Lebensqualität und kulturellen Identität. In Deutschland gibt es rund eine Million denkmalgeschützte Immobilien, deren Eigentümer oft finanziell durch Erhaltungsverpflichtungen belastet sind. Die Regelungen zum Denkmalschutz können zudem wirtschaftliche Interessen herausfordern, da die Rechte und Genehmigungen für Veränderungen an geschützten Gebäuden strengen Vorschriften unterliegen, wie die [Wikipedia] umfassend darstellt.
Das historische Rathaus von Vaihingen wird seit sechs Jahren mit Fernwärme beheizt, die von einem privaten Wärmeversorger bereitgestellt wird. Andere Verwaltungsgebäude sind seit 2019 ebenfalls an diese effiziente Wärmeversorgung angeschlossen. Der Oberbürgermeister hat in seinem eigenen Haus 38 PV-Module sowie 12 Quadratmeter Solarthermie installiert, da kein Platz für eine Wärmepumpe vorhanden war. Während in Baden-Württemberg weiterhin überwiegend mit Öl und Gas geheizt wird, sind Wärmepumpen immer gefragter.
Der Blick in die Zukunft
Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, ob Flusswärmepumpen zur Beheizung der Kernstadt Vaihingen genutzt werden können. Die Herausforderungen bei dieser Nutzung liegen insbesondere in der Notwendigkeit eines Wärmenetzes sowie in der Temperatur des Flusswassers. Die Stadt plant, Machbarkeitsstudien für die Stadtteile Roßwag, Enzweihingen und die Kernstadt in Auftrag zu geben. Anselm Laube von der Energieagentur für den Landkreis Ludwigsburg schätzt, dass die Umsetzung von Flusswärme fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen könnte.
Zusätzlich wird diskutiert, wie Großanlagen anstelle von vielen Kleinanlagen auf Dächern sinnvoll genutzt werden können. Diese Großanlagen könnten in Lager- und Produktionshallen, Wohnsiedlungen, öffentlichen Bauten oder Parkhäusern installiert werden und bieten viele Vorteile wie Technikkosteneinsparungen und minimierte Wartungsaufwände. Die [Deutsche Stiftung Denkmalschutz] plant, einen Modellversuch zur Beteiligung an einer solchen Großanlage zu initiieren, um die Energieversorgung für ganze Wohnanlagen oder Nachbarschaften zu optimieren.