Im Laufe des Donnerstags wurden in Sachsenheim und Ludwigsburg gleich vier Fälle von Telefonbetrug gemeldet, bei denen sich unbekannte Täter als Bankmitarbeiter ausgaben. Diese Betrüger informierten die Opfer über angebliche unberechtigte Abbuchungen und versuchten, an sensible Daten wie PINs zur EC-Karte oder Zugangsdaten für das Online-Banking zu gelangen. Besonders besorgniserregend ist, dass eine 70-jährige Frau in Sachsenheim dazu gebracht wurde, ihren Online-Banking-Zugang zu öffnen, was zu einer unberechtigten Abbuchung führte. Glücklicherweise erkannten ein 74-Jähriger und eine 83-Jährige aus Ludwigsburg die Betrugsmasche rechtzeitig; sie wurden misstrauisch, als eine Abholung der Bankkarte angekündigt wurde.

Eine weitere betroffene Person war eine 87-jährige Frau in Ludwigsburg-Nord, die ihre EC-Karte an eine als Bankmitarbeiterin verkleidete Betrügerin übergab, was ebenfalls zu einer unerlaubten Abhebung führte. Die Polizei beschreibt die Abholerin als etwa 40 Jahre alt, 1,65 Meter groß, schlank, mit nach hinten gebundenen dunklen Haaren und in schwarzer Kleidung. Der gesamte finanzielle Schaden beläuft sich auf rund 13.000 Euro. Die Polizei hat Zeugen gebeten, sich mit dem Polizeirevier Vaihingen oder dem Polizeirevier Ludwigsburg in Verbindung zu setzen. Darüber hinaus rät sie dringend davon ab, am Telefon finanzielle Details oder Kontodaten preiszugeben. Weitere Tipps und Handlungsempfehlungen sind online auf der Website der Polizei zu finden. Mehr Informationen zu diesen Vorfällen finden Sie in dem Artikel der Ludwigsburger Kreiszeitung.

Die Masche der Betrüger

Die Vorgehensweise der Betrüger ist nicht neu, jedoch bleibt sie effektiv. Oft rufen sie Bankkunden an und behaupten, sie müssten einen Datenabgleich über eine App wie VR-SecureGoPlus durchführen. In einem ähnlichen Fall bestätigte ein Konto­inhaber fälschlicherweise die Installation einer digitalen Karte, was zu 28 unberechtigten Buchungen in Höhe von über 6.700 Euro führte. Interessanterweise entschied das Landgericht Darmstadt, dass die Bank den Schaden ersetzen muss, da der Kunde keine sensiblen Daten weitergegeben hatte. Dies wirft Fragen zur Verantwortung der Banken auf, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass mehrere Gerichte in Deutschland in ähnlichen Fällen zugunsten der Opfer entschieden haben.

So entschied das Landgericht Köln, dass eine Bank einem Kunden, der 14.000 Euro verloren hatte, ebenfalls Schadensersatz leisten muss. Diese Urteile zeigen, dass die Gerichte zunehmend die Verantwortung der Banken in den Fokus rücken. Das Oberlandesgericht Dresden urteilte, dass Konto­inhaber bei Anrufen von angeblichen Bankmitarbeitern vorsichtig sein müssen, und auch der Kunde wird in die Verantwortung genommen, wenn er grob fahrlässig handelt. Diese rechtlichen Entwicklungen verdeutlichen die Komplexität der Betrugsfälle und die Notwendigkeit für alle Beteiligten, wachsam zu sein.

Betrugskriminalität im digitalen Zeitalter

Die Betrugskriminalität in Deutschland hat auch im Jahr 2024 einen Rückgang verzeichnet, mit 743.472 Fällen, was einem Rückgang von 1,5 Prozent entspricht. Dennoch bleibt Betrug ein zentrales Kriminalitätsphänomen, insbesondere im digitalen Raum. Ein Großteil der Betrugsdelikte, etwa 55,3 Prozent, wurde online begangen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zunahme von Callcenter-Betrug wider, der oft aus dem Ausland, insbesondere aus der Türkei oder Osteuropa, organisiert wird. Die Täter nutzen häufig Methoden wie den „Enkeltrick“ oder „Schockanrufe“, bei denen sie sich als Angehörige oder Amtspersonen ausgeben, um Geld oder Wertsachen zu erlangen.

Die Polizei hat die internationale Zusammenarbeit und Präventionsmaßnahmen verstärkt, um dieser Art von Kriminalität entgegenzuwirken. Bürger sollten besonders misstrauisch sein, wenn es um schnelle Geldübergaben geht, und niemals Wertsachen an Unbekannte weitergeben. Zudem empfiehlt es sich, eigene Telefonnummern zu nutzen, um Angehörige zu kontaktieren und keine sensiblen Informationen am Telefon preiszugeben. Weitere Informationen zur Betrugsbekämpfung finden Sie auf der Website des Bundeskriminalamts.