Am 29. Januar 2026 veröffentlicht der Autor Manfred Henne sein neues Buch mit dem Titel „Die Wahrheit darf nicht schweigen“. Dieses Werk befasst sich intensiv mit dem Unternehmen „Wüste“, das während der NS-Zeit im Zollernalbkreis Treibstoff aus Posidonienschiefer gewinnen wollte. Im Rahmen dieser Aktivitäten wurden sieben Konzentrationslager errichtet, in denen Tausende Häftlinge unter extremen Bedingungen arbeiten mussten. Henne möchte mit seinem Buch sowohl Tätern als auch Opfern eine Stimme geben und betont die Bedeutung, über die Schrecken dieser Zeit zu berichten. Besonders die Erinnerungen von Zeitzeugen sind dabei von zentraler Bedeutung, um das vergessene Leid sichtbar zu machen, so Bietigheimer Zeitung.
Ein eindrucksvolles Beispiel für den Einsatz mutiger Menschen während dieser dunklen Tage liefert die 100-jährige Wendelgard von Staden. Sie lebt in Kleinglattbach und half als Jugendliche, zusammen mit ihrer Mutter, den Häftlingen des Konzentrationslagers in Vaihingen-Kleinglattbach. Interessanterweise wurde dieses Lager auf dem enteigneten Wiesengrund ihrer Familie, den von Neuraths, errichtet. Wendelgards Onkel, Konstantin von Neurath, war während der NS-Zeit Reichsaußenminister und unterstützte die Nazis, was die tragische Doppelmoral ihrer eigenen familiären Geschichte verstärkt.
Wendelgard von Stadens Leben und Engagement
Wendelgard von Staden, geboren am 7. Juni 1925 in Heidelberg, hat über die Jahre eine bemerkenswerte Karriere als Schriftstellerin und Diplomatin eingeschlagen. Nach einem Abitur in Berlin und einem landwirtschaftlichen Studium begann sie eine diplomatische Laufbahn, die sie unter anderem nach Bern und Washington führte. 1961 heiratete sie den Diplomaten Berndt von Staden; aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Ihr autobiografisches Werk „Nacht über dem Tal: Eine Jugend in Deutschland“ beschreibt nicht nur ihre Kindheit, sondern auch die Geschehnisse auf dem Hof ihrer Eltern in Kleinglattbach, der von der SS enteignet wurde. Die Überwachung und das Elend, das sich dort abspielte, prägten ihre Jugend und hinterließen tiefe Spuren.
Besonders bemerkenswert ist, dass ihre Familie während der Zeit des Konzentrationslagers Zugang zu den Geschehnissen hatte. Ihre Mutter, Irmgard von Neurath, versuchte ihr Bestes, um sich für die Häftlinge einzusetzen, scheiterte jedoch bei dem Versuch, diese zu befreien. Nach dem Krieg wurde sie verhaftet und in ein Lager auf dem Asperg gebracht. Wendelgard von Staden unternahm alles, um mit ihrer Mutter in Kontakt zu treten, und brachte sogar einen Brief zu den Amerikanern in Frankfurt.
Anerkennung und Auszeichnung
Für ihr soziales Engagement wurde Wendelgard von Staden 2025 mit der Bürgermedaille der Stadt Vaihingen an der Enz ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigt nicht nur ihr persönliches Engagement, sondern auch ihre Bemühungen, die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wachzuhalten. Als eine der ersten Stipendiatinnen an der École libre des sciences politiques in Paris und an der University of Southern California in den 1940er-Jahren ist sie ein Vorbild und eine herausragende Persönlichkeit, die viel zu erzählen hat. Ihre Stimme ist ein wichtiger Teil der Geschichte, die nicht Schweigen darf, und die durch die Publikation von Manfred Henne weiter in das öffentliche Bewusstsein gerückt wird.