Im Mercedes-Werk Untertürkheim, das mit seinen 23.000 Beschäftigten vor allem im Bereich der Verbrenner-Technologie arbeitet, ist die Stimmung angespannt. Die Belegschaft zeigt sich zunehmend frustriert über die politischen Entwicklungen, insbesondere über das drohende Verbrennerverbot, das ab 2035 in der EU gelten soll. Dies wurde besonders deutlich vor dem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz, als Mitarbeiter wie David Anselm, ein Zulieferer-Mitarbeiter, lautstark forderten: „Das Verbrenner-Verbot muss weg!“ Viele sehen das Verbot als Überlebensfrage und fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen. Diese Unsicherheit über die Zukunft der Verbrenner-Technologie besteht bereits seit Monaten, und nur wenige Mitarbeiter möchten sich öffentlich zu ihrer Meinung äußern.
Der Kostendruck bei Mercedes steigt, da sowohl Verbrenner als auch Elektrofahrzeuge produziert werden müssen. Während die Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, wie IT und Finanzen, ihre Unzufriedenheit über Merz und die derzeitige politische Lage äußern, wird auch die Verunsicherung der Zulieferer deutlich. Diese sind stark von den Entscheidungen des Hauptwerks abhängig und fordern klare Entscheidungen zur Unterstützung der E-Auto-Branche. Auf dem CDU-Bundesparteitag liegt ein Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) vor, der eine Überarbeitung der CO2-Flottenregulierung fordert. Die MIT möchte das Verbrennerverbot in der aktuellen Form kippen und setzt sich für die Nutzung erneuerbarer Kraftstoffe ein. Gute Chancen auf Erfolg werden dem Antrag eingeräumt, sowohl in Bezug auf Merz als auch auf die SPD.
Politische Entwicklungen und Herausforderungen
Die Regierungskoalition in Deutschland steht unter Druck, bis Donnerstagabend eine gemeinsame Position zum EU-weiten Verbrenner-Aus zu finden. Bundeskanzler Friedrich Merz plant, die EU-Kommission nach der Einigung im Koalitionsausschuss zu informieren. Nach geltenden EU-Regeln dürfen ab 2035 keine Autos mehr zugelassen werden, die CO₂ ausstoßen. Die EU-Kommission prüft derzeit eine Überarbeitung des Gesetzes und will in zwei Wochen Vorschläge vorlegen. Die Bundesregierung hat momentan keine abgestimmte Position zu diesem Thema, was die Unsicherheit weiter erhöht.
Die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben sich gegen ein starres Verbot der Verbrennertechnologie ab 2035 ausgesprochen und fordern, dass auch Fahrzeuge mit klimafreundlichen Kraftstoffen (E-Fuels) nach diesem Datum neu zugelassen werden können. Merz fordert seit Monaten Änderungen am europäischen Verbrennerverbot und setzt sich dafür ein, dass neben Hybridwagen und E-Fuel-Fahrzeugen auch Range Extender zugelassen bleiben. Während die SPD am Ausstiegsdatum für neue Verbrenner ab 2035 festhält, verlangt sie mehr Flexibilität für die Autohersteller.
Langfristige Auswirkungen und Ausblick
Die EU-Kommission hat das ursprüngliche Verbot von Verbrennerfahrzeugen bis 2035 inzwischen aufgeweicht. Stattdessen sieht sie eine Reduktion von 90% der CO2-Emissionen im Vergleich zu 2021 vor. Plug-in-Hybride und Range Extender dürfen weiterhin zugelassen werden, während Hersteller CO2-Emissionen an anderer Stelle einsparen müssen, beispielsweise durch den Einsatz von grünem Stahl oder E-Fuels. Diese Entwicklungen könnten jedoch nicht ausreichen, um die langfristige Arbeitsplatzsicherung in der Autoindustrie zu gewährleisten, da der Trend zur Elektromobilität tendenziell weniger Arbeitsplätze erfordert.
Internationale Trends zeigen, dass der globale Anteil an elektrisch betriebenen Neuwagen steigt. In China wird bis 2025 voraussichtlich mehr als die Hälfte der Neuwagen E-Autos oder Plug-in-Hybride sein. Technisch, wirtschaftlich und ökologisch wird der Verbrenner zunehmend als unterlegen angesehen. Verbraucher könnten bald weniger Anreiz haben, Verbrenner zu kaufen, da Elektroautos in der Herstellung günstiger werden. Die Preisdifferenz zwischen Verbrennern und Elektroautos schrumpft, und langfristige Einsparungen bei Elektroautos sind möglich. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien könnte zudem die Strompreise senken, während Benzin und Diesel teurer werden könnten.
Die Situation im Mercedes-Werk und in der gesamten Branche bleibt angespannt und erfordert schnelles Handeln der Entscheidungsträger, um die Zukunft der deutschen Automobilindustrie in einer sich schnell verändernden Welt zu sichern. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um zu sehen, ob die politischen Akteure eine tragfähige Lösung finden können, die sowohl den Bedürfnissen der Industrie als auch den Umweltzielen gerecht wird.