Am 10. September 1950 erlebte Schwenningen eine Premiere: Das erste Hammerstatt-Rennen für Motorräder und Rennwagen wurde vom Schwäbischen Automobilclub Schwenningen (SAC) veranstaltet. Die Veranstaltung sollte die Vereinsaktivitäten über Sonntagsausflüge hinaus erweitern und war ursprünglich als Wiederbelebung von Bergrennen am Dreifaltigkeitsberg gedacht. Diese Idee scheiterte jedoch an unzureichenden Straßenbedingungen und finanziellen Mitteln, weshalb stattdessen ein Sandbahnrennen auf einer 400-Meter-Aschenbahn organisiert wurde. Der erste Renntermin, der auf den 11. Juli 1950 festgelegt war, musste aufgrund mangelnder Vorbereitung abgesagt werden, was zu Verlusten von über 5000 DM führte. Mitglieder des SAC schlossen sich zusammen, um die finanziellen Lücken zu schließen und liehen Geld, um die kommenden Events zu unterstützen.

Der neue Plan sah vor, ein Motorrad-Rundstreckenrennen auf einem 1,2 Kilometer langen Hammerstatt-Rundkurs abzuhalten. Die Strecke wies vier Linkskurven und eine Rechtskurve auf, und die Zuschauer konnten 30 Kanaldeckel zählen. Am Renntag waren über 16.000 Zuschauer vor Ort. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg, was die finanzielle Situation des SAC erheblich verbesserte. In den verschiedenen Klassen konnten sich zahlreiche Fahrer durchsetzen, darunter Karl Bodmer in der Achtelliter-Klasse und Siegfried Schlenker, der in der bis 500 ccm-Klasse mit einem Schnitt von 66,8 km/h gewann. Leider gab es auch Kritik, da der ADAC nicht über das Event informiert wurde, was die Beziehungen zwischen den Verbänden belastete.

Historische Bedeutung und Revival

Das Hammerstatt-Rennen fand in den folgenden Jahren noch mehrere Male statt, nämlich 1951, 1954 und 1955, und zog bekannte Fahrer wie Gerhard Mitter an. Im Laufe der Zeit wurde die Veranstaltung um Formel 3-Monoposti und Porsche-Sportwagen erweitert. Zwischen 2000 und 2015 fand eine Reihe von Hammerstatt-Revivals statt, letzte Woche beging die Stadt das achte Revival im Rahmen der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Dieses Revival wurde vom Schwäbischen Automobilclub und ADAC e.V. organisiert und lockte zahlreiche Liebhaber historischer Rennfahrzeuge, Motorräder und Gespanne an.

Das Revival fand im Schwenninger Industriegebiet Ost, nahe dem Flugplatz, statt und präsentierte historische Rennmotorräder sowie Oldtimer. Der fast zwei Kilometer lange Rundkurs war gesichert und bot ein festliches Rahmenprogramm mit Musik und einer Bewirtung im Festzelt. Besondere Highlights waren die Ankunft der Weltmeister Jim Redman und Luigi Taveri. Gäste konnten zudem die einmalige Gelegenheit genießen, mit der Jugend-Kartgruppe des SAC in Oldtimerfahrzeugen mitzufahren, eine Aktion, die auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich war.

Der historische Motorradsport

Der historische Motorradsport, ein Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, verbindet die Leidenschaft für Oldtimer mit sportlichen Herausforderungen. Veranstaltungen wie das Hammerstatt-Revival erinnern an die goldenen Zeiten des Motorsports, die von 1950 bis 1955 in Schwenningen stattfanden. Bei solchen Events handelt es sich oft um eine Mischung aus Rallyes und Rundstreckenrennen, bei denen die Einhaltung von Straßenverkehrsregeln an oberster Stelle steht. Hergestellt aus historischen Motorrädern, präsentieren sie nicht nur den nostalgischen Charme vergangener Zeiten, sondern fördern auch den Erhalt der Motorradsport-Tradition in Deutschland.

Die nächste Gelegenheit leidenschaftliche Oldtimer-Fans zu versammeln, wird am 12. Oktober im alten Hammerstatt-Revival-Fahrerlager sein. Hierzu sind Old- und Youngtimer-Teams eingeladen, um gemeinsam die Faszination des historischen Motorsports zu feiern. Weitere Informationen zur Veranstaltung sind auf der Webseite des SAC verfügbar.