Am Freitag, den 18. Februar 2026, besuchte Alice Weidel, die Chefin der AfD, das Mercedes-Werk in Untertürkheim, um ihren Fraktionskollegen Markus Frohnmaier zu unterstützen. Dieser Auftritt fiel in die Wahlkampfzeit für die Betriebsratswahlen, bei denen die rechte Pseudogewerkschaft Zentrum mit eigenen Listen antritt. Weidel hatte zuvor den Verein als „hochgradig toxisch“ bezeichnet, war jedoch nun vor Ort, um für die Interessen der AfD und des Zentrums zu werben (Kontext Wochenzeitung).
Die ursprünglich geplante Veranstaltung in Sindelfingen wurde aus „Sicherheitsgründen“ abgesagt, was die Aufmerksamkeit auf die Kontroversen rund um die AfD und ihre Verbindungen zur Pseudogewerkschaft lenkte. Während Frohnmaier AfD-Flugblätter verteilte, hielt sich Weidel zurück und ignorierte Fragen von Danial Bamdadi, einem Vertreter eines Vereins zur Aufklärung über Rechtsextremismus, zur Rolle des Zentrums. Die Situation verdeutlicht die widersprüchliche Haltung der AfD gegenüber dem Zentrum, das für seine Kontakte zur AfD und rechtsextremen Milieus bekannt ist (Verfassungsblog).
Wahlkampf und rechtsextreme Strukturen
Zentrum, gegründet im Jahr 2009, gilt als ein Sammelbecken für rechte und rechtsextreme Beschäftigte, anfänglich in der Schwerindustrie und mittlerweile auch in der Abfallentsorgungsbranche. Der Vorstand des Zentrums setzt sich laut Recherchen aus Personen mit rechtsextremistischen oder neonazistischen Hintergründen zusammen. Der Gründer, Oliver Hilburger, hatte zuvor die „Christlichen Gewerkschaft Metall“ verlassen, nachdem seine Verbindungen zu einer Rechtsrockband öffentlich wurden. Diese Hintergründe werfen einen Schatten auf die Glaubwürdigkeit des Zentrums im Kontext der Betriebsratswahlen (Verfassungsblog).
Im August 2025 erlitt das Zentrum eine juristische Niederlage vor dem Arbeitsgericht Braunschweig, als es gewerkschaftliche Zutrittsrechte zu einem VW-Betrieb geltend machen wollte. Das Gericht wies die Klage zurück, da das Zentrum nicht nachweisen konnte, dass es bereits Mitglieder im Betrieb hat. Es wurde festgestellt, dass das Zentrum als „nicht tariffähige Arbeitnehmervereinigung“ gilt und daher nicht die besonderen Rechte von Gewerkschaften in Anspruch nehmen kann. Diese rechtlichen Hürden könnten das Zentrum daran hindern, die erforderliche Durchsetzungskraft zu demonstrieren und als Gewerkschaft anerkannt zu werden (Verfassungsblog).
Demokratie und gewerkschaftlicher Widerstand
In Anbetracht der wachsenden rechtspopulistischen Strömungen ist die Demokratiepolitik in Betrieben von entscheidender Bedeutung. Die IG Metall hat eine Buchreihe gestartet, die sich mit der Stärkung der Demokratie in der Arbeitswelt beschäftigt. Der neueste Band, „Gute Arbeit gegen Rechts“, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit eines Teams um Hans-Jürgen Urban vom IG-Metall-Vorstand. Ziel ist es, gewerkschaftliche und wissenschaftliche Politik zu verbinden, um den Herausforderungen von Rechtspopulismus und autoritären Tendenzen entgegenzuwirken (Süddeutsche Zeitung).
Die bevorstehenden Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 erlauben es jeder Wahlvorschlagsliste, die erforderlichen Stützunterschriften zu sammeln, unabhängig von der Gewerkschaftszugehörigkeit. Dies könnte dem Zentrum neue Möglichkeiten eröffnen, auch wenn es in der Vergangenheit als Randerscheinung galt. Der Erfolg der IG Metall bei den Betriebsratswahlen 2022, bei denen die Kandidatenliste 93 Prozent der Stimmen erhielt, zeigt, dass die gewerkschaftliche Organisation und politische Aufklärung unerlässlich sind, um der AfD-Propaganda entgegenzuwirken und die Rechte von Lohnabhängigen zu stärken (Süddeutsche Zeitung).
Insgesamt bleibt die Situation an den deutschen Automobilstandorten angespannt, und der Einfluss der AfD sowie ihrer Pseudogewerkschaften wird weiterhin kritisch beobachtet. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, wie sich die politische Landschaft in den Betrieben entwickelt und welchen Einfluss die Gewerkschaften auf die Verteidigung demokratischer Werte ausüben können.