Am 4. Oktober 2025 feiert Deutschland ein bedeutendes Ereignis: 35 Jahre Deutsche Einheit. Zu diesem Anlass fand im Stuttgarter Rathaus eine traditionelle Feierstunde statt, die von Thomas de Maizière, dem ehemaligen Bundesinnenminister und Mitglied der CDU, geprägt wurde. In seiner Festrede sprach er über die persönlichen Erfahrungen seiner Familie, die durch die Teilung Deutschlands direkt betroffen war. De Maizière war zudem Teil der Verhandlungsdelegation, die den deutsch-deutschen Einigungsvertrag vor dem 3. Oktober 1990 aushandelte und betonte die Notwendigkeit, die gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch die Einheit entstanden sind, weiterhin ernst zu nehmen.

Er thematisierte die aktuelle „Veränderungsmüdigkeit“ in Ostdeutschland und bemerkte die anhaltende Auseinandersetzung mit der Wiedervereinigung. Insbesondere forderte er eine Gleichwertigkeit im Umgang mit den Menschen aus den neuen Bundesländern und hob die wirtschaftlichen Erfolge des Einigungsprozesses hervor, zugleich erkannte er die noch bestehenden Unterschiede an. De Maizière warnte vor einer „Veränderungsablehnung“ und der Unsicherheit vieler Menschen in Ostdeutschland gegenüber Staat und Demokratie.

Einblick in die Herausforderungen

Der Weg zur Wiedervereinigung war geprägt von schweren gesellschaftlichen Umbrüchen und Herausforderungen. Die deutsche Revolution von 1989/90 zeichnete sich durch den schnellen Zerfall der DDR und den friedlichen Übergang zur BRD aus. Während die DDR mit einer dysfunktionalen Planwirtschaft und politischen Repressionen kämpfte, formierten sich oppositionelle Bewegungen, die letztendlich zur Öffnung der Mauer am 9. November 1989 führten. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei, was als ein historischer Wendepunkt gilt.

Trotz der positiven Entwicklungen sind Gräben zwischen Ost und West geblieben. Ostdeutsche erleben nach wie vor eine geringere Lebensqualität und Vertrauenskrisen in politische Institutionen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschland im Jahr 2024 durchschnittlich 837 Euro weniger verdienen als ihre westdeutschen Kollegen. Zudem war die Arbeitslosigkeit in den 1990ern in Ostdeutschland signifikant höher.

Perspektiven und Zukunft

Die Wiedervereinigung wird oft als Erfolgsgeschichte betrachtet, auch wenn die mentale und wirtschaftliche Angleichung langsamer voranschreitet als erhofft. Soziologen wie Raj Kollmorgen warnen vor einer potenziellen „Spirale des Abstiegs“ in ostdeutschen Regionen, wo weniger junge Menschen leben und die Bevölkerung abnimmt. Er weist darauf hin, dass viele strukturelle Unterschiede nicht allein auf die DDR-Vergangenheit zurückzuführen sind.

Auch Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) betonte in seiner Ansprache die Notwendigkeit, eine unverkrampfte Beziehung zu Deutschland zu pflegen und schlug vor, eine Straße oder Allee nach Altkanzler Helmut Kohl zu benennen, der eine Schlüsselrolle im Prozess der Wiedervereinigung spielte. Die Feierstunde im Stuttgarter Rathaus, die seit 2021 veranstaltet wird, zieht weiterhin wichtige Redner an und bleibt ein Ort des Austausches über die deutsch-deutsche Geschichte und die Herausforderungen, die es noch zu bewältigen gilt.

Insgesamt zeigt der Blick zurück auf 35 Jahre Deutsche Einheit die Erfolge, aber auch die Herausforderungen, die weiterhin bestehen. Die Notwendigkeit, an der „Inneren Einheit“ der Gesellschaft zu arbeiten, bleibt aktuell und essentiell für die gemeinsame Zukunft Deutschlands.