Inmitten des „Dry January“, einer Gesundheitskampagne, die dazu aufruft, im Januar auf Alkohol zu verzichten, fand am 23. Januar 2026 im VE Vinobar im Dorotheen-Quartier in Stuttgart eine außergewöhnliche Veranstaltung statt. Die Gastgeberin Janina Baronin von Essen lud rund 200 Gäste zur „Dry-January-Fällt-Aus“-Party ein. In einer entspannten Atmosphäre feierten die Teilnehmer trotz des typischen Verzichtsmonats. An diesem Abend standen erlesene Weine wie Riesling, Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Crémant auf der Getränkekarte.
Die Stimmung war ebenso ironisch wie heiter, da die Veranstaltung als Protest gegen die Vorherrschaft des „Dry January“ gedacht war. Fitness-Unternehmer Jörg Echtermann berichtete von einem signifikanten Rückgang der Besucherzahlen in Fitnessstudios nach Neujahr. Er wies darauf hin, dass die Gastronomie im Januar unter einer Konsumflaute und steigendem Preisdruck leidet. Jochen Alber, Geschäftsführer des Dehoga, bezeichnete den Januar 2026 als besonders herausfordernd für die Branche, in der eine umfassende Mehrwertsteuersenkung nur geringfügige Entlastung brachte.
Veränderungen im Trinkverhalten
Die Party reflektierte einen bedeutenden Trend: Immer mehr Menschen, insbesondere aus der Generation Z (Jahrgänge 1997–2007), reduzieren oder verzichten zunehmend auf Alkohol. Im Jahr 2022 konsumierten nur 68% der Bevölkerung Alkohol, verglichen mit 78% im Jahr 2015. Aktuellen Daten zufolge trinken lediglich 61% der Generation Z Alkohol, während 25% ihren Konsum bereits reduziert oder ganz eingestellt haben. Diese gesunde Richtung ist nicht nur ein vorübergehender Trend, sondern könnte eine dauerhafte Verhaltensänderung darstellen, wie Handelsexperte Carsten Kortum von der DHBW in Heilbronn hervorhebt, der den „Dry January“ als wichtigen Ausgangspunkt sieht.
Die Auswirkungen dieser Trends sind bereits in der Gastronomie spürbar. Im Januar 2024 sank der Absatz von Alkohol um 26,4 % im Vergleich zu den elf vorhergehenden Monaten, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Alkoholfreie Alternativen, wie sie von vielen Brauereien, einschließlich Distelhäuser, eingeführt wurden, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Vielfalt alkoholfreier Getränke hat in den letzten Jahren zugenommen und reicht von Limonaden bis zu kreativen Schorlen.
Generationen im Fokus
Die Veranstaltung im VE Vinobar zog ein buntes Publikum an, das zu verschiedenen Generationen gehört: Millennials, Generation X und Babyboomer. Unter den prominenten Gästen waren auch Alexander Baron von Essen, die Gastronomiebros Maximilian und Ferdinand Trautwein sowie Partyveranstalter Konstantin Wulle und Quartiersmanagerin Joyce Jagodzinski. DJ Ocean Seven sorgte für die musikalische Untermalung und machte die Feier trotz des Trends zum Verzicht zu einem vollen Erfolg.
Die Neigung zum bewussten Verzicht auf Alkohol wird nicht nur im Januar, sondern ganzjährig spürbar. YouGov-Daten belegen einen kontinuierlichen Rückgang der Käuferreichweite alkoholhaltiger Getränke, was auf tiefere gesellschaftliche Veränderungen hinweist. Die Gründe für diesen Wandel sind oft gesundheitlicher Natur, da 38% der Befragten einen gesünderen Lebensstil anstreben. Besonders in der Generation Z erkennen 51% Alkohol als ungesund, während dieser Anteil bei den Baby Boomern bei 30% liegt.
Der „Dry January“ ist somit nicht nur ein monatliches Ereignis, sondern auch ein Spiegelbild des sich wandelnden Trinkverhaltens in Deutschland. Immer mehr Menschen setzen auf bewusste Entscheidungen, die ihren Lebensstil und ihre Gesundheit positiv beeinflussen.
Für weitere Informationen und Details zu den Entwicklungen rund um das Trinkverhalten in Deutschland und die Auswirkungen auf Handel und Gastronomie, klicken Sie auf folgende Links: Stuttgarter Nachrichten, Tagesschau, YouGov.