Im Leonhardsviertel in Stuttgart tobt derzeit ein intensiver Konflikt zwischen Anwohnern und verschiedenen Gastronomen. Der Streit entbrannte jüngst bei einer Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Mitte, als zahlreiche Barbetreiber wütend den Sitzungssaal verließen. Diese äußerten ihre Existenzängste und kritisierten die Stadtverwaltung für ihre „Untätigkeit“ im Umgang mit der dort ansässigen Uhu-Bar, die von Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) unterstützt wird. Diese Pflege der Uhu-Bar, die zu der kreativen Szene des Viertels gehört, stößt vielen Anwohnern jedoch sauer auf.
Die Anwohner werfen Kienzle „Ungleichbehandlung“ vor, während die Gastronomen sich gegen die städtische Politik wehren. So berichten Anwohner von regelmäßig großen Menschenansammlungen vor und in der Uhu-Bar, die den Gehweg und die Fahrbahn blockieren. Zudem finden dort DJ-Abende statt, während in anderen Bars des Viertels ein Tanzverbot herrscht. Das Obergeschoss der Uhu-Bar wird für Veranstaltungen genutzt, was ohne spezielle Genehmigung nicht zulässig ist. Deniz Sever von der Feinkostbar L’Hommage kritisiert die Auswirkungen dieses Umgangs auf die Existenz der umliegenden Geschäfte.
Städtische Planung und Prostitution
Die Stadt Stuttgart plant zudem eine Umgestaltung des gesamten Leonhardsviertels, um die Prostitution schrittweise zu verdrängen. Ein im Dezember 2025 beschlossener Bebauungsplan sieht vor, dass Bordelle und Vergnügungsstätten in diesem Viertel nicht mehr erlaubt sein sollen. Während Bars und ähnliche Gaststätten weiterhin zulässig bleiben, zielt die Planung auf die Aufwertung des Viertels ab und möchte sich gegen Kriminalität und Probleme zur Wehr setzen.SWR berichtet, dass rund 75 Sexarbeiterinnen in vier Einrichtungen im Leonhardsviertel tätig sind, die sich auf den Bestandsschutz ihrer Einrichtungen berufen, die seit 1973 existieren.
Die Stadtverwaltung bestreitet diesen Bestandsschutz und argumentiert, dass für die Bordelle keine Baugenehmigung vorliegt. Der Landtag von Baden-Württemberg diskutiert im Kontext dieser Neubewertung eine mögliche Änderung der Landesbauordnung, die den Bestandsschutz klarer regeln könnte. Eine Reform könnte bereits Anfang Juli oder August 2024 in Kraft treten. Der Caritasverband fordert indes mehr Unterstützung für die Sexarbeiterinnen und warnt vor den negativen Folgen einer Schließung der Bordelle, die nach Ansicht vieler Engagierter irrational und unüberlegt wäre.
Der Weg zur geplanten Neugestaltung
Die Esslinger Zeitung hebt hervor, dass einige Gebäude im Viertel unter Denkmalschutz stehen, was einen Neubau oder eine umfassende Umgestaltung der Region erschwert.Esslinger Zeitung erwähnt zudem die anhaltende Wohnraumnot in Stuttgart, die die Diskussion um die weitere Entwicklung des Viertels zusätzlich kompliziert. Kienzle lobt den Neustart des Kado am Leonhardsplatz, das bereits zur Belebung des Viertels beiträgt, betont jedoch, dass Disziplin und die Einhaltung von Regeln essenziell seien.