In den letzten Jahren hat die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Insbesondere das Projekt der Stolpersteine, das von dem Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen wurde, hat sich zu einem wichtigen Symbol der Erinnerungsarbeit entwickelt. Stolpersteine sind kleine, quadratische Gedenktafeln aus Messing, die in den Gehweg vor den letzten freiwilligen Wohnhäusern der Opfer eingelassen werden. Seit 1992 wurden über 100.000 dieser Gedenksteine in Europa verlegt, die an Juden, politisch Verfolgte, Roma, Sinti und Euthanasie-Opfer erinnern. Sie gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Quelle und Quelle.
In der Stadt Filderstadt, die zur Region Stuttgart gehört, wird nun das erste Mal über die Verlegung von Stolpersteinen nachgedacht. Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages kam die Frage auf, ob auch hier in den Filderorten Stolpersteine verlegt werden sollten. Besonders aktiv sind die Schüler der Geschichts-AG des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums, die sich für die Geschichte des Nationalsozialismus und das Schicksal der Opfer interessieren. Stadtarchivar Nikolaus Back erklärte, dass während der NS-Zeit in Filderstadt keine jüdischen Familien lebten, und dass die Stadt die Schicksale von Euthanasie-Opfern und politisch Verfolgten nachverfolgt. Quelle
Ein erster Schritt in Filderstadt
Am 20. Februar werden in Neuhausen auf den Fildern erstmals fünf Stolpersteine verlegt. Diese werden an Orten installiert, an denen die Opfer gewohnt haben. Dabei hat der Stadtarchivar bereits einige Euthanasie-Opfer identifizieren können, die für eine Stolperstein-Verlegung in Frage kommen, darunter auch Reinhold Eckardt, ein politisch Verfolgter. Die Stolpersteine sollen nicht nur an die NS-Opfer in Filderstadt erinnern, sondern auch ein Zeichen gegen das Vergessen setzen.
In Leinfelden-Echterdingen gibt es bislang keine Stolpersteine. Hier wird derzeit geprüft, ob die Kriterien für eine Verlegung erfüllt sind. Der Fokus liegt dabei auf der Aufarbeitung der Schicksale jüdischer Zwangsarbeiter, die in einem ehemaligen KZ-Außenlager am Flughafen untergebracht waren. Historisch betrachtet hat der Antisemitismus in Württemberg tiefe Wurzeln, die bis ins Jahr 1500 zurückreichen. Im 19. Jahrhundert kehrten einige Juden in größere Städte zurück, doch die Geschichte ist geprägt von Verfolgung und Vertreibung.
Die Bedeutung der Stolpersteine
Die Stolpersteine sind mehr als nur Gedenktafeln; sie sind ein Teil einer breiteren Erinnerungskultur, die auch andere Formen des Gedenkens umfasst. Kritiker, wie Charlotte Knobloch, argumentieren, dass die Verlegung im Boden eine Missachtung der Opfer darstellt. Dennoch haben diese kleinen Steine das Ziel, den Opfern ihre Namen und damit ihre Identität zurückzugeben. Der erste Stolperstein wurde am 16. Dezember 1992 in Köln verlegt, und seither ist das Projekt auf über 1.800 Kommunen in Deutschland und weiteren Ländern angewachsen. Quelle und Quelle.
Die Verlegung der Stolpersteine ist nicht nur eine Form der Trauerbewältigung, sondern auch ein Akt der Aufklärung. Die Schüler der Geschichts-AG in Filderstadt zeigen, dass das Interesse an der Geschichte und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch in der heutigen Zeit von großer Bedeutung sind. Die Stadt plant, bis Ende 2026 oder Anfang 2027 die ersten Stolpersteine in Filderstadt zu verlegen, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen und die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten.