Alex Aßmann, geboren im Mai 1977, veröffentlicht in seinem neuen Buch „Im Gefängnis frei – Andreas Baader, der Brandstifter-Prozess und die politische Gewalt“ ein umfassendes Bild der Roten Armee Fraktion (RAF) und ihrer Protagonisten. Das Werk beleuchtet nicht nur die Geschehnisse rund um die in den 1970ern so umstrittenen Figuren wie Andreas Baader und Gudrun Ensslin, sondern hinterfragt auch die letztlich vereinfachte Darstellung der RAF in den deutschen Medien. Dies führt dazu, dass der Umgang der deutschen Medien mit der RAF und der Post-68er Linken als unzureichend bezeichnet wird, was Aßmann in seinem Buch eingehend analysiert und kritisiert. fr.de berichtet, dass …
Im Kontext des Prozesses gegen die RAF-Führer, der am 21. Mai 1975 in Stuttgart Stammheim begann, wird die Dramatik der Anklage deutlich: Mord in vier Fällen und versuchter Mord in 54 Fällen. Aßmann widmet sich der Rolle von Ulrike Meinhof, die im Mai 1976 unter ungeklärten Umständen starb und deren Tod viele, die gegen staatliche Gewalt demonstrierten, als Suizid akzeptierten. Aßmanns Schilderungen sind dabei nicht nur historisch fundiert, sondern auch psychologisch tiefgründig. Er hebt hervor, dass Baader und Ensslin nach einem verurteilten Brandanschlag auf zwei Frankfurter Kaufhäuser ins Gefängnis kamen und dort ihre radikalisierenden Entwicklungen erfuhren.
Die Lebensgeschichten von Baader und Ensslin
Andreas Baader wuchs in einem komplexen familiären Umfeld auf. Sein Vater geriet 1945 in Kriegsgefangenschaft und kehrte nie zurück, was einen tiefen Einfluss auf Baaders Kindheit hatte. Früh zeigte er eine Vorliebe für schnelle Autos und entwickelte ein unorthodoxes Rechtsverständnis. Die Jugend verbrachte er größtenteils in Berlin, wo er trotz fehlendem Abitur und langen strafrechtlichen Vorlauf aktiv in der Studentenbewegung war. So zählte er zu den frühen Köpfen der RAF, bevor er mit Gudrun Ensslin ein makabres Liebesduo bildete, das sich der gewaltsamen politischen Auseinandersetzung zuwandte. planet-wissen.de berichtet, dass …
Gudrun Ensslin, das mittlere Kind aus einer Pfarrersfamilie, wurde bereits früh von der Unzufriedenheit mit der Gesellschaft geprägt. Durch ihren Lebensweg und Krebs lebt sie auch die Verzweiflung und den Drang nach Veränderung, die sich in der Studentenbewegung manifestieren sollten. Als Ensslin 1967 Baader traf, schloss sie sich ihm an und forderte angesichts der damaligen politischen Gewalt ein gewaltsames Umdenken. Der gemeinsame Anschlag auf die Frankfurter Kaufhäuser markierte den Beginn einer verhängnisvollen Symbiose. Diese Beziehung wurde medial oft romantisiert, was dem Paar eine besondere öffentliche Wahrnehmung verlieh. Aßmann kritisiert diese Verkitschung und beleuchtet die radikalisierenden Schritte des Paares.
Radikalisierung und Medienwahrnehmung
Aßmann zeigt, dass sowohl Baader als auch Ensslin weit mehr als nur die Klischees ihrer Zeit waren. Der Autor beschreibt, wie Baader im Gefängnis die Zeit zur Bildung nutzte. Seine intensive Auseinandersetzung mitwerken von Denkern wie Wittgenstein, Marcuse, Marx und de Sade wird als sinnliche Erfahrung dargestellt. Zudem verdeutlicht er, dass die RAF in den 70er Jahren nicht so isoliert war, wie oft angenommen wird. Ihre Anklage und die anschließende Berichterstattung werfen weiterhin Fragen auf über den Umgang der Gesellschaft mit extremen politischen Strömungen.
Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist relevant für das Verständnis unserer heutigen politischen Landschaft. Aßmann gibt den Persönlichkeiten der RAF mit seinem Werk ein neues, vielschichtiges Licht, das über die jahrzehntelange Schwarz-Weiß-Zeichnung hinausgeht. Die Komplexität der Radikalisierung und die Darstellung in den Medien sind nur einige der Aspekte, die Aßmann anspricht und denen er mit seiner Forschung ein neues Gesicht gibt. Schliesslich verbindet er die gesellschaftlichen Umstände der 70er Jahre mit der zeitgenössischen Perspektive auf Gewalt und Protest.