Im Stadtteil Stuttgart-Ost sorgt der Rückbau einer Busspur in der Wagenburgstraße für hitzige Diskussionen. Der betroffene Abschnitt erstreckt sich über 190 Meter zwischen Wunnensteinstraße und Fuchseckstraße und wurde ursprünglich als Teil eines Verkehrsversuchs im Rahmen des Luftreinhalteplans eingeführt. Während die Stadtverwaltung den Rückbau verteidigt und auf Verzögerungen durch Schienenersatzverkehr hinweist, sind die Kritiker nicht zu bremsen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) äußert Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme und fordert den Erhalt der Busspur.
Die Busspur wurde 2020 eingeführt und sollte zunächst für ein Jahr getestet werden. Allerdings verzögerte sich die Evaluation aufgrund der Corona-Pandemie. Während des Tests wurde die Busspur von Paketboten und Lieferanten oftmals als Parkfläche missbraucht, was zu Unmut bei den Busfahrern führte. Diese meiden mittlerweile das umständliche Manöver, um auf die Busspur zu gelangen. Ordnungsbürgermeister Clemens Maier betont, dass andere Abschnitte der Busspur insbesondere stadteinwärts positive Ergebnisse erzielt haben.
Umwandlung in Parkplätze und weitere Maßnahmen
Ab Sommer wird die Busspur in Parkplätze umgewandelt, dabei sollen insgesamt 16 Parkplätze, drei Carsharing-Stellflächen sowie ein Abstellbereich für acht Fahrräder geschaffen werden. Die Stadt hat die Pläne zur Umwandlung der Fläche bereits konkretisiert. Die Verkehrsbehörde prüft zudem, ob die Busspur in Ausnahmesituationen erhalten bleiben sollte. In der politischen Landschaft gibt es unterschiedliche Meinungen: Während Michael Schrade von den Freien Wählern und Alexander Kotz von der CDU den Rückbau unterstützen, kritisiert Björn Peterhoff von den Grünen die Entscheidung ohne Rücksprache mit dem Gemeinderat. Hannes Rockenbauch von den Linken/SÖS Plus fordert eine detaillierte Auswertung der Evaluation.
Die Diskussion um die Busspur in Stuttgart-Ost spiegelt die Herausforderungen wider, vor denen Städte in Deutschland stehen, wenn es darum geht, nachhaltige Verkehrsmittel zu fördern. Im bundesweiten Vergleich machen eigene Fahrspuren für den Busverkehr in den 40 größten Städten Deutschlands im Durchschnitt nur 0,6 Prozent des Straßennetzes aus. Berlin führt mit 121 Kilometern Busspur und einem Anteil von 2,3 Prozent, während Städte wie Halle (Saale) und Krefeld gänzlich ohne Bussonderfahrstreifen auskommen müssen.
Der Blick über den Tellerrand
Die Kritik an den unzureichenden Busspuren in deutschen Großstädten wird auch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) laut. Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der DUH, fordert eine Ausbauoffensive für Busspuren, um Staus, verspätete Busse und hohe CO2-Emissionen zu reduzieren. Der zukünftige Reformprozess der Straßenverkehrsordnung, der 2024 in Kraft tritt, könnte zudem die Anordnung von Busspuren erleichtern und Städten wie Stuttgart helfen, ihre Verkehrsinfrastruktur zu optimieren.
In diesem Kontext ist es wichtig, auch die Unterstützung von Projekten wie „Pop-up Mobilitätswende“ zu erwähnen, die Kommunen dabei helfen sollen, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern. Die Herausforderungen rund um die Busspur in Stuttgart-Ost sind somit nicht nur lokal von Bedeutung, sondern Teil eines größeren Diskurses über die Mobilitätswende in deutschen Städten. Mehr Informationen zu den Hintergründen und der aktuellen Situation finden Sie in den Artikeln von Stuttgarter Nachrichten und Mein Stuttgart, sowie in der Analyse von Tagesschau.