Die katholische Kirche im Rems-Murr-Kreis startet einen umfassenden Reformprozess unter dem Motto „Kirche der Zukunft“. Dieser Prozess, der in der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfindet, zielt auf grundlegende organisatorische Veränderungen ab und befasst sich nicht mit umstrittenen Fragen wie dem Zölibat oder der Rolle der Frau. Laut ZVW sind die Hintergründe dieser Reformen vor allem der Mangel an Personal und finanziellen Mitteln in den Gemeinden.

Die voraussichtlich einschneidenden Änderungen sollen dazu dienen, die Strukturen der Kirche nachhaltig zu sichern. Ein neu gefasster Diözesanrat hat Bischof Klaus Krämer empfohlen, 50 bis 80 Raumschaften aus 1.020 Kirchengemeinden zu bilden. Ziel ist es, die Seelsorger von übermäßigen Verwaltungsaufgaben zu entlasten und das kirchliche Leben langfristig zu sichern. Diese Überlegungen wurden einstimmig mit einer einzigen Gegenstimme im Kloster Untermarchtal beschlossen, was die Dringlichkeit solcher Maßnahmen verdeutlicht, wie katholisch.de berichtet.

Der Weg zur Reform

Bischof Krämer hat bereits angedeutet, dass die Entscheidung nur der Beginn weiterer Überlegungen darstellt. Bis 2026 sind die Beteiligungen aller Kirchengemeinden in der Diözese vorgesehen. Dabei betont der Bischof, dass das gemeindliche Leben nicht verloren gehen darf. Weihbischof Matthäus Karrer ergänzte, dass die Kirche vor Ort bleiben wird, jedoch ein „anderes Gesicht“ bekommen soll.

Der Reformprozess steht nicht isoliert da; ähnliche Strukturreformen finden in vielen der 27 katholischen Bistümer in Deutschland statt. Im benachbarten Bistum Freiburg beispielsweise werden 36 neue Großpfarreien aus einst rund 1.000 Pfarreien gebildet. Diese Maßnahmen sind im Kontext eines allgemeinen Rückgangs der Mitgliederzahlen, weniger Taufen und sinkender Kirchensteuereinnahmen zu sehen, was Statista thematisiert.

Die Mitgliederzahlen im Sinkflug

Aktuell zählt die katholische Kirche in Deutschland rund 19,8 Millionen Mitglieder, was etwa 24 Prozent der Bevölkerung entspricht. Diese Zahl ist in den letzten Jahrzehnten signifikant gesunken, von circa 28,3 Millionen im Jahr 1990. In den letzten Jahren ist auch die Zahl der Austritte gestiegen, 2024 verließen etwa 32.000 Personen die Kirche. Die Gründe für diese Austritte sind oft mit der Kirchensteuer und den Missbrauchsskandalen verknüpft.

Trotz des Mitgliederschwundes bleibt die katholische Kirche finanziell stabil. Ihre Einnahmen durch Kirchensteuern lagen 2024 bei 6,6 Milliarden Euro, was die wichtigste Einnahmequelle der Kirche darstellt. Allerdings wird die finanzielle Unterstützung der Kirchen durch den Staat, die rund 660 Millionen Euro jährlich beträgt, kontrovers diskutiert. Die katholische Kirche in Deutschland steht somit vor langfristigen Herausforderungen, nicht nur in Bezug auf ihre Mitgliederzahlen, sondern auch in der Frage, wie sie sich als zentrale soziale und gesellschaftliche Institution in einem sich wandelnden Umfeld behaupten kann.