Ein innovatives Projekt in Stuttgart könnte den Weg für nachhaltige Wärmeversorgung ebnen. Ein Rechenzentrum im Stadtteil Möhringen speist erstmals systematisch seine Abwärme in ein lokales Wärmenetz. Dieses Vorhaben ist das Resultat einer Kooperation zwischen nLighten und Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart, einem Joint Venture der Stadtwerke Stuttgart und e-con. Die Kooperationsvereinbarung wurde bereits unterzeichnet und markiert den Anfang eines erweiterten Wärmenetzes im Synergiepark Stuttgart. Die Inbetriebnahme des Projekts erfordert die Unterstützung durch Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die Abwärme des Rechenzentrums wird an benachbarte Gebäude geliefert, darunter die städtische it.schule und mehrere DEKRA-Gebäude. Mit einer maximalen Wärmeleistung von bis zu 1,8 Megawatt kann das System, das auf einem geschlossenen Wasserkreislauf basiert, die Abwärme der Server zur Wärmepumpenversorgung nutzen. Interessanterweise wird das Rechenzentrum vollständig mit regenerativem Strom betrieben, was die zurückgewonnene Abwärme als klimafreundlich klassifiziert. Andreas Herden von nLighten bezeichnet das Vorhaben als einen bedeutenden Meilenstein, während Ulf Hummel von Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart die Integration des Rechenzentrums als wichtigen Schritt zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in den Industriegebieten Vaihingen und Möhringen ansieht.

Vorgaben und Möglichkeiten der Abwärmenutzung

Die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren wird immer wichtiger, insbesondere im Kontext der neuen gesetzlichen Anforderungen, die mit dem am 18. November 2023 in Kraft getretenen Energieeffizienzgesetz (EnEfG) verbunden sind. Dieses Gesetz dient als nationale Umsetzung der novellierten EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) und hat das Ziel, europäische Energie- und Klimaschutzziele zu erreichen. In Deutschland gibt es über 3.000 Rechenzentren, die zusammen rund 3-4 % des gesamten Strombedarfs in der EU verbrauchen.

Ab dem 1. Januar 2025 müssen Rechenzentren mit einer Nennanschlussleistung von 300 kW ihre Abwärmedaten melden, wie von der Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) gefordert. Die erhobenen Daten umfassen den Unternehmensnamen, die Adresse des Standortes, jährliche Wärmemengen und weitere technische Informationen. Das Energiemanagement von Rechenzentren wird strenger reguliert. Es gelten spezifische Vorgaben für die Energieverbrauchseffektivität, die je nach Inbetriebnahme variieren.

Das Potenzial der Abwärme

Die steigende Digitalisierung führt zu einem enormen Energiebedarf in Rechenzentren, der von 2010 bis 2022 um 70 % auf 18 Terawattstunden pro Jahr anstieg. Zum Vergleich: Der Jahresstromverbrauch der Stadt Berlin lag 2022 bei 12,5 Terawattstunden. Ein Großteil der im Rechenzentrum verbrauchten Energie wird in Wärme umgewandelt, die häufig ungenutzt an die Außenluft abgegeben wird. Studien zeigen, dass das Potenzial der Abwärme aus Rechenzentren in Deutschland jährlich rund 350.000 Wohnungen versorgen könnte, was dem Wohnungsbestand von Bremen entspricht.

Das EnEfG sieht vor, dass Rechenzentren, die nach dem 1. Juli 2026 in Betrieb gehen, nachweisen müssen, dass sie mindestens 10 % ihrer Abwärme weiter nutzen. Dieser Anteil soll in Zukunft steigen. Die Herausforderung besteht darin, diese Abwärme effizient in die lokalen Wärmenetze zu integrieren und gleichzeitig die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Unternehmen müssen auch auf Anfrage von Wärmenetzbetreibern Informationen zur Abwärme bereitstellen, wobei Verstöße gegen die Meldepflichten mit hohen Bußgeldern geahndet werden können.

Insgesamt zeigt das Beispiel aus Stuttgart, wie durch innovative Ansätze und Kooperationen eine nachhaltige Wärmeversorgung gefördert werden kann. Die Integration und Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren stellt eine wichtige Maßnahme im Rahmen der Energiewende dar und trägt zur Reduktion von Emissionen bei.

Für mehr Informationen, lesen Sie die Artikel auf stadt-und-werk.de, taylorwessing.com und helmholtz-klima.de.