In Weilheim an der Teck hat sich ein spannendes Vorhaben zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Kirchheim und Weilheim herauskristallisiert. Winfried Hermann, der Landesverkehrsminister von den Grünen, trat kürzlich bei einer Parteiveranstaltung in der Limburghalle auf und warb eindringlich für die S-Bahn-Verlängerung. Er betonte, dass die finanziellen Voraussetzungen für die Reaktivierung der Strecke sehr gut seien. Dennoch ist die Umsetzung mit geschätzten Kosten von rund 164 Millionen Euro verbunden, die Infrastruktur, Fahrzeuge und Planungskosten umfassen. Trotz dieser hohen Kosten sieht Hermann die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer schnellen Umsetzung.
Die Region hat seit über 30 Jahren keine Züge mehr zwischen Kirchheim und Weilheim an der Teck gesehen. Aktuell endet die S-Bahn-Linie S1 in Kirchheim unter Teck, und Fahrgäste müssen auf Busverbindungen umsteigen, um nach Weilheim zu gelangen. Ein Großteil der Schienen ist jedoch noch vorhanden, und die Diskussion über eine Reaktivierung wird zunehmend lauter, selbst von jungen Anwohnern, die sich für eine bessere Anbindung einsetzen. Auch die Kommunal- und Landespolitik zeigt sich optimistisch und sieht gute Voraussetzungen für eine Wiederbelebung der Strecke.
Machbarkeitsstudien und Fördermöglichkeiten
Eine Machbarkeitsstudie, die vom Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart und der Deutschen Bahn beauftragt wurde, zeigt ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,47, was das Vorhaben wirtschaftlich sinnvoll erscheinen lässt. Zudem gibt es Pläne, S-Bahnen in Kirchheim zu teilen: Ein Zugteil könnte nach Weilheim und ein anderer nach Oberlenningen fahren. Die Umsetzung dieser Pläne könnte allerdings über zehn Jahre in Anspruch nehmen, möglicherweise bis 2040-2050.
Auf den stillgelegten Gleisen in Kirchheim sind noch Reste einer Lichtanlage für einen Bahnübergang vorhanden. Der Oberbürgermeister Pascal Bader hebt hervor, dass die Trasse als Bahngelände vorgesehen ist, was eine Reaktivierung erleichtert. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg sieht gute Chancen auf finanzielle Unterstützung für die Reaktivierung. Über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes können bis zu 90% der förderfähigen Baukosten gefördert werden. Dies ist ein entscheidender Anreiz für die beteiligten Kommunen.
Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
Im November 2020 wurden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie während einer Online-Informationsveranstaltung präsentiert, an der auch Minister Winfried Hermann teilnahm. In dieser Veranstaltung wurden die Fördermöglichkeiten von Bund und Land für Planung, Bau und Betrieb von Reaktivierungsstrecken vorgestellt. Der nächste Schritt besteht in der Durchführung weiterer Machbarkeitsstudien, die durch das Land gefördert werden. Das Ziel ist es, potenziell sinnvolle Strecken schnellstmöglich zu planen und zu reaktivieren.
Das Land Baden-Württemberg hat das größte Potenzial für die Reaktivierung stillgelegter Strecken in Deutschland. Anträge für die geförderten Machbarkeitsstudien mussten bis Ende 2021 gestellt werden, und insgesamt 21 stillgelegte Bahnstrecken werden landesgefördert untersucht oder haben bereits Studien abgeschlossen. Diese Entwicklungen könnten nicht nur den Verkehr in der Region verbessern, sondern auch Industriegebiete in Kirchheim direkt anschließen und neue Wohn- und Industriegebiete entlang der Trasse ermöglichen.
Für interessierte Bürger und lokale Entscheidungsträger bleibt die Situation spannend. Die Reaktivierung der Bahnstrecke könnte nicht nur die Mobilität in der Region erhöhen, sondern auch zur Stärkung der Wirtschaft beitragen und die Lebensqualität der Anwohner verbessern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Pläne in den kommenden Jahren entwickeln werden.