Am 10. Februar 2026 veranstalteten Beschäftigte am MAHLE-Standort Fellbach eine eindringliche Protestaktion. Die Demonstrierenden forderten vehement die Aufrechterhaltung ihres Werks, das als „Formel-1-Hightech-Schmiede“ gilt. Unter dem Motto „Sauer-Hour statt Happy-Hour“ versammelten sich die Mitarbeitenden für eine Stunde, um gegen die geplante Zerschlagung des Standorts zu demonstrieren. Ihr Ziel ist es, 150 Arbeitsplätze zu erhalten und die Verlagerung des Unternehmens zu verhindern, die seit Herbst 2025 von der Geschäftsführung angekündigt wurde.
Die Anzeichen für die Unsicherheit, in der sich die Belegschaft befindet, sind deutlich. Die Unternehmensleitung hat die Gründe für die Schließung des Werks in Fellbach, die hohe Kosten für den Erbpachtvertrag und mögliche Umsatzrückgänge umfasst, nicht eindeutig nachvollziehbar dargelegt. Zahlreiche Beschäftigte merken an, dass diese Argumentation nicht tragfähig ist. Unterstützung erhielten die Protestierenden vom Betriebsrat und von der IG Metall, die ebenfalls für einen Erhalt des Standorts eintreten.
Die Hintergründe der Protestaktion
Die Protestaktion in Fellbach steht im Kontext von umfassenden weltweit geplanten Einsparungen im Mahle-Konzern. Dieser plant, jährlich 150 Millionen Euro einzusparen, wodurch insgesamt 1.000 Stellen in der Unternehmensverwaltung gefährdet sind. Boris Schwürz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, kritisiert die einseitigen Einschnitte und fordert einen klaren Fahrplan für die Zukunft des Unternehmens. Die Notwendigkeit von Kapazitätsreduzierungen in den Bereichen Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung, die Konzernchef Arnd Franz betont, ist auch eine Folge einer schwachen Marktlage, wie dem bevorstehenden Verbot von Verbrennungsmotoren und erhöhten Wettbewerbsdruck durch Unternehmen aus China.
Die Schließung des Standorts Fellbach, wo 165 Beschäftigte Motorsportprodukte herstellen, würde für die Mitarbeiter drastische Konsequenzen haben. Den Beschäftigten wird angeboten, neue Arbeitsplätze in Rottweil oder Markgröningen anzunehmen, wenn es zu einer Schließung kommt. Dabei wird die Produktion von Kolben für sportliche Serienfahrzeuge nach Rottweil verlagert, während die Entwicklung und Produktion von Rennsportanwendungen nach Markgröningen umgezogen werden sollen.
Wirksame Solidarität und weitere Aktionen
Bei der Protestaktion haben die Mitarbeitenden auch ihre Angst um die berufliche Zukunft und ihren Ärger über frühere Dementis der Geschäftsführung zum Ausdruck gebracht. Jennifer Thieskes, die Betriebsratsvorsitzende, hat die Pläne der Geschäftsführung scharf kritisiert und Boris Schwürz hat den Wert des Standorts deutlich unterstrichen. Antonio Potenza, der Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, hat ebenfalls die Forderungen der Beschäftigten unterstützt. Die Protestaktion verdeutlichte den Vertrauensverlust in die Unternehmensführung.
Weitere Aktionen sind angedacht, falls zwischen den Beschäftigten und der Geschäftsführung keine positiven Gespräche stattfinden. Die klare Botschaft der Mitarbeitenden ist, dass sie den Standort um jeden Preis erhalten und ihr wertvolles Know-how sichern wollen.
Solche Aktionen erfolgen nicht isoliert. Aktuell gibt es in Deutschland einen Trend zu Protesten und Streiks in verschiedenen Wirtschaftszweigen, was Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat. Die aktuelle ökonomische Lage ist von Unsicherheiten geprägt, und wirtschaftliche Herausforderungen erfordern möglicherweise ein Umdenken bei Löhnen und Arbeitsbedingungen für die Belegschaften im Land, wie Tagesschau berichtet.