Am 10. Februar 2026 versammelten sich zahlreiche Beschäftigte am MAHLE-Standort in Fellbach, um gegen die geplante Zerschlagung ihres Werks zu demonstrieren. Unter dem Motto „Sauer-Hour statt Happy-Hour“ zeigten die Arbeitnehmer ihre Entschlossenheit, die Verlagerung und Aufspaltung von 150 Arbeitsplätzen zu verhindern. Die Protestaktion dauerte 60 Minuten und fand inmitten einer angespannten Situation statt, die von der Geschäftsführung im Herbst 2025 angekündigt wurde. Diese hatte eine Verlagerung innerhalb von 14 Monaten in Aussicht gestellt, was das Vertrauen der Belegschaft in die Unternehmensleitung stark beeinträchtigt hat.
Die Mitarbeitenden, unterstützt von Betriebsrat und IG Metall, äußerten ihre Bedenken über die negativen Folgen einer Schließung für den Standort, der als „Formel-1-Hightech-Schmiede“ bekannt ist und für seine Spezialisierung und Profitabilität geschätzt wird. Jennifer Thieskes, die Betriebsratsvorsitzende, kritisierte die plötzlichen Pläne der Geschäftsführung, während Boris Schwürz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, die Bedeutung des Standorts für die Branche betonte. Antonio Potenza, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, unterstützte die Forderungen der Beschäftigten und warnte vor den negativen Auswirkungen auf die gesamte Belegschaft.
Hintergrund der Proteste
Die Gründe für die beabsichtigte Verlagerung sind vielfältig: hohe Kosten für den Erbpachtvertrag, mögliche Umsatzrückgänge und eine allgemein schwache Marktlage. Diese Argumente werden von den Beschäftigten jedoch als nicht nachvollziehbar erachtet. Zudem ist der MAHLE-Standort Fellbach nicht der einzige, der von den Einsparungen betroffen ist. Weltweit plant das Unternehmen, jährlich 150 Millionen Euro einzusparen, was 1.000 Stellen in der Verwaltung betrifft. Auch in Deutschland, insbesondere an der Zentrale in Stuttgart, entfallen die Hälfte der Einsparungen auf Personalreduktionen.
Die Schließung des Standortes Fellbach würde nicht nur 165 Arbeitsplätze kosten, sondern auch die Produktion von Motorsportprodukten gefährden, die nach Rottweil und Markgröningen verlagert werden sollen. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen Plans, der auch eine Kapazitätsreduktion in Verwaltung, Forschung und Entwicklung umfasst. Konzernchef Arnd Franz betont die Notwendigkeit dieser Einschnitte, die als Reaktion auf den Wettbewerb mit Ländern wie China und die Herausforderungen durch US-Zölle gesehen werden.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Demonstration in Fellbach steht im Kontext einer angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Rezession, und die hohen Zinsen sowie steigenden Energiekosten belasten sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer. Diese Umstände führen zu einem schrumpfenden privaten Konsum und fordern höhere Löhne, um den Lebensstandard der Beschäftigten zu wahren. Die Proteste und Tarif-Auseinandersetzungen in verschiedenen Branchen, wie sie derzeit in Deutschland stattfinden, könnten der Auftakt zu weiteren Aktionen sein, da Gewerkschaften mit Arbeitskämpfen drohen.
Insgesamt ist die Situation bei MAHLE ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen viele Unternehmen in Deutschland konfrontiert sind. Der Vertrauensverlust der Beschäftigten in die Unternehmensleitung und die Ankündigung weiterer Protestaktionen, sollten keine Gespräche mit der Geschäftsführung stattfinden, verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf. Die klare Botschaft der Beschäftigten ist: Der Standort soll erhalten bleiben und das wertvolle Know-how gesichert werden. Weitere Informationen zu den Protesten und der aktuellen Lage sind unter diesem Link zu finden.
Für die Beschäftigten in Fellbach ist es nun entscheidend, dass ihre Stimmen gehört werden. Die Unterstützung durch Kolleginnen aus anderen Betrieben und IG Metall Seniorinnen zeigt, dass der Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten stark bleibt. Die kommenden Wochen könnten entscheidend dafür sein, wie es mit dem Standort und den Arbeitsplätzen weitergeht.