Heute ist der 7.03.2026, und im Jugendhaus Degerloch in Stuttgart wird ein wichtiges Thema diskutiert: die Geschlechterrollen und deren Auswirkungen auf Männer und Frauen. Terje Lange, der Jugendhausleiter, bringt frischen Wind in die Debatte und thematisiert, wie der Druck auf Jugendliche, insbesondere Jungen, dazu führt, einem veralteten Bild des starken Mannes zu entsprechen. Lange ist überzeugt, dass diese Vorstellungen nicht nur die individuelle Entwicklung der Jugendlichen einschränken, sondern auch zu gesellschaftlichen Problemen führen können.

Im Rahmen seiner Arbeit im Jugendhaus kochen die Jugendlichen gemeinsam, um neue Perspektiven zu entwickeln. Dabei lernen die Jungen, unangenehme Gefühle wie Scham und Frustration auszuhalten und offen über ihre Emotionen zu sprechen. Lange arbeitet auch mit männlichen Gefängnisinsassen und sieht Gewalt als vermeidbar, wenn Männer lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Er betont, dass Scham oft als schlimmer empfunden wird als Schuld und dass aktuelle gesellschaftliche Einflüsse, insbesondere durch Social Media und öffentliche Figuren, aggressive Männlichkeit fördern. Eine Studie des IZI zeigt, dass 26% der Jungen ein problematisches Weltbild haben, das Dominanzglauben und LGBTQ+-Feindlichkeit umfasst.

Positive Männlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung

In seinen Diskussionen mit den Jugendlichen definiert Lange Männlichkeit als respektvollen Umgang und Verantwortung für die Familie. Er übernimmt zu Hause die Hälfte der Care-Arbeit und möchte ein positives Männlichkeitsbild vermitteln. Diese Haltung steht im Einklang mit dem Konzept der „nachhaltigen Männlichkeit“, das Dr. Dag Schölper und Klaus Schwerma im Fachmagazin „Ökologisches Wirtschaften“ vorstellen. Dieses Konzept zielt darauf ab, toxische Männlichkeitsnormen, wie Dominanz, Aggressivität und emotionale Verschlossenheit, zu hinterfragen und ein Rollenverständnis zu fördern, das auf Gleichberechtigung, Fürsorge, Kooperation und gesellschaftlicher Verantwortung basiert. Nachhaltige Männlichkeit umfasst dabei auch Themen wie Gesundheit und Wohlbefinden, aktive Vaterschaft sowie Gewaltprävention.

Der Jugendhausleiter unterstützt den globalen Frauenstreik am 9. März, organisiert von männer.bw und anderen Gruppen, der auf mehr Gleichberechtigung und gegen Ungerechtigkeiten abzielt. männer.bw ist ein Interessenverband für Männer und Väter in Baden-Württemberg, der sich für gleichstellungsorientierte Männerpolitik einsetzt. Lange ermutigt Männer, alternative Wege zu gehen und die Anliegen der Frauen zu unterstützen.

Toxische Männlichkeit und ihre Folgen

Das Thema toxische Männlichkeit ist nicht nur im Jugendhaus von Bedeutung, sondern wird auch in der Gesellschaft zunehmend diskutiert. Toxische Männlichkeit beeinträchtigt nicht nur das individuelle Wohlbefinden, sondern hat auch weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen. Statistiken zeigen, dass Männer überproportional von Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit und Gewalt betroffen sind. Zudem sind Suizidraten bei Männern signifikant höher als bei Frauen. Dies hängt oft mit dem Druck zusammen, traditionelle Geschlechterrollen zu akzeptieren, was zu emotionaler Unterdrückung führt.

Über 70% der Männer glauben, dass traditionelle Männlichkeitsvorstellungen schädlich für beide Geschlechter sind. Gleichzeitig fühlen sich 65% der Männer unter Druck gesetzt, die Erwartungen an Männlichkeit zu erfüllen. Diese Normen können zu Kommunikationsbarrieren in Beziehungen führen und familiäre Konflikte verstärken. Männer, die ihre Emotionen nicht ausdrücken können, haben oft Schwierigkeiten, Bindungen zu ihren Kindern aufzubauen und erleben eine geringere Lebenszufriedenheit.

Die Diskussion um positive Männlichkeitsbilder und deren Förderung ist entscheidend für einen gesellschaftlichen Wandel. Laut einer Umfrage haben Männer in unterstützenden Umgebungen eine um 50% höhere Lebenszufriedenheit. Das zeigt, dass der Wandel hin zu neuen Männlichkeitsbildern notwendig ist, um den Herausforderungen von toxischer Männlichkeit entgegenzuwirken. In diesem Kontext ist die Arbeit von Terje Lange und den Initiativen wie männer.bw von großer Bedeutung.