Die Automobilindustrie steht derzeit vor großen Herausforderungen, und Porsche ist da keine Ausnahme. In Zuffenhausen, wo die berühmten Sportwagen gefertigt werden, sieht man sich mit einer schweren Absatzkrise konfrontiert. Diese ist in erster Linie auf die schwierige Marktsituation in China, die Einführung von US-Zöllen und die hohen Kosten für die Umstellung auf Verbrenner zurückzuführen. Laut einem Bericht der Augsburger Allgemeinen wird die Bilanz des Unternehmens am Mittwoch um 10.00 Uhr von Finanzvorstand Jochen Breckner und dem neuen CEO Michael Leiters präsentiert. Die vorläufigen Zahlen zeigen einen dramatischen Rückgang des operativen Gewinns um 92,7 Prozent auf nur 413 Millionen Euro, während der Gesamtumsatz um fast 10 Prozent auf rund 36,3 Milliarden Euro gefallen ist.

Besonders alarmierend ist der Rückgang der Verkaufszahlen. Im Jahr 2025 konnte Porsche in China nur noch 41.900 Fahrzeuge verkaufen, was einem Rückgang von über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies ist der vierte Rückgang in Folge, und die Zahlen sind dramatisch im Vergleich zu den fast 96.000 Fahrzeugen, die noch 2021 verkauft wurden. Der Markt für teure Luxusprodukte in China ist um mehr als 80 Prozent eingebrochen, was zu einem Gesamtrückgang von über 60 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2021 führt.

Strategische Kehrtwende und Sparmaßnahmen

Die schwierige Lage hat bereits zu einem umfassenden Sparprogramm geführt, das in Verhandlung mit dem Betriebsrat erarbeitet wird. Bis 2029 plant Porsche, rund 1.900 Stellen in Stuttgart sozialverträglich abzubauen. Verträge von etwa 2.000 befristeten Angestellten laufen aus, was die Situation zusätzlich kompliziert. Auch die Schließung von Verkaufsstellen ist bereits in vollem Gange, wie das Beispiel des Zhengzhou Zhongyuan Porsche Centers zeigt. Bis Ende 2026 wird das Händlernetz von 150 auf 80 Standorte halbiert.

Finanzchef Breckner rechnet zudem mit Sonderkosten von bis zu 3,1 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr, wobei die US-Zölle Porsche mit rund 0,7 Milliarden Euro belasten. Trotz dieser düsteren Aussichten gibt es auch Lichtblicke. Porsche plant ein Comeback der Verbrenner bis weit ins nächste Jahrzehnt und will neue Modelle mit Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antrieben des 718 und Cayenne bis Ende 2026 einführen. Außerdem investiert das Unternehmen in ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in Shanghai, das im November 2025 eröffnet werden soll und über 300 Ingenieure beschäftigen wird.

Die Zukunft von Porsche

Der neue CEO Michael Leiters hat bereits betont, dass die Strategie künftig auf wertorientierte Steuerung zur Margensicherung und nicht auf maximalen Absatz abzielt. Die Herausforderungen im chinesischen Automarkt, der zunehmend von Elektrofahrzeugen und einer schwachen Nachfrage im Luxussegment geprägt ist, sind klar. Verbraucher zögern, neue Fahrzeuge zu kaufen, was die Situation weiter verschärft. Laut dem ehemaligen Porsche-Chef Oliver Blume ist der Luxusmarkt in China praktisch zusammengebrochen.

Insgesamt zeigt sich, dass Porsche in einer kritischen Phase steckt, die sowohl durch externe Faktoren wie die globale Wirtschaftslage als auch durch interne strategische Entscheidungen geprägt ist. Es bleibt abzuwarten, ob die angekündigten Maßnahmen und Investitionen ausreichen werden, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt unterdessen vor möglichen Auswirkungen auf die Lieferketten und Exportgeschäfte deutscher Hersteller, was die Unsicherheit in der Branche noch verstärkt.