Im Rems-Murr-Kreis sorgt die Diskussion um den geplanten Pfaffensteigtunnel zwischen Böblingen und dem Flughafen Stuttgart für Aufregung. Dieter Reicherter, ein Jurist aus Althütte und ehemaliger Richter am Landgericht Stuttgart, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Machenschaften rund um dieses Bauprojekt. In seinen Äußerungen vergleicht er die Vorgänge mit Fällen organisierter Kriminalität und zeigt sich besorgt über die Transparenz und die Integrität des Verfahrens im Zusammenhang mit Stuttgart 21 und dem Pfaffensteigtunnel. Reicherter ist bekannt für seine kritische Haltung gegenüber staatlichem Handeln und hat bereits in der Vergangenheit auf Missstände hingewiesen (Quelle).

Die geplante Trasse des Pfaffensteigtunnels wird von Fachleuten als nicht rentabel angesehen. Zwei Ingenieure und das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 haben dies festgestellt und argumentieren, dass der volkswirtschaftliche Nutzen weit unter der vorgeschriebenen Marke liege. Während Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auf eigene Berechnungen verweist, die eine Rentabilität belegen, bezweifeln Kritiker wie Engelhardt und Morlock diese Werte. Sie kommen zu dem Schluss, dass das Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) für den Tunnel bei nur 0,23 liege, während es für den zweigleisigen Gäubahnausbau alleine bei 2,7 erreicht werden könnte (Quelle).

Die Hintergründe des Pfaffensteigtunnels

Der Pfaffensteigtunnel, der eine Länge von 11 Kilometern haben soll, ist als Verbindung zwischen der Gäubahn und dem neuen Bahnknoten Stuttgart gedacht. Die ursprüngliche Planung sah eine Anbindung über die S-Bahn-Trasse am Flughafen vor, was bereits vor Baubeginn im Jahr 2010 kritisiert wurde. In einem Kompromiss einigte man sich auf die Variante „Dritte Gleis“, um die Kapazität für die Gäubahn zu erhöhen. Fahrgäste müssen bis zur Fertigstellung des Tunnels in Stuttgart-Vaihingen umsteigen, was die praktischen Herausforderungen für viele Reisende vergrößert (Quelle).

Einer der Hauptkritikpunkte an dem Projekt ist die Befürchtung einer Kostenexplosion, ähnlich wie bei Stuttgart 21. Während der Bundeshaushalt 1,69 Milliarden Euro für den Bau des Pfaffensteigtunnels bereitstellt, schätzen Kritiker die tatsächlichen Kosten auf bis zu 3 Milliarden Euro. Dies führt zu einem großen Unbehagen in der Bevölkerung, die sich nach den Erfahrungen mit Stuttgart 21 fragt, ob das Projekt tatsächlich den versprochenen Nutzen bringen kann.

Stuttgart 21 im Kontext

Der Pfaffensteigtunnel ist Teil des größeren Projektes Stuttgart 21, das einen künftigen Durchgangsbahnhof vorsieht, der umsteigefreie Verbindungen im Regionalverkehr ermöglichen soll. Dieser Durchgangsbahnhof hat acht zu- bzw. abführende Gleise und wird die S-Bahn entlasten. Die Leistungsfähigkeit des Bahnhofs wurde bereits 2011 in einem anerkannten Stresstest nachgewiesen. Über zehn Millionen Fahrgäste im Fernverkehr in Deutschland sollen von den Verbesserungen profitieren, was die Wichtigkeit und den Umfang des Projektes verdeutlicht (Quelle).

Stuttgart 21, das auch eine umfassende städtebauliche Neugestaltung mit sich bringt, wurde durch eine Volksabstimmung 2011 mit einer Mehrheit von 58,9% unterstützt. Dennoch bleiben die Bedenken der Anwohner und Kritiker präsent, insbesondere in Hinblick auf die finanziellen und organisatorischen Aspekte. Die Entwicklungen rund um den Pfaffensteigtunnel werfen erneut Fragen zur Rentabilität und zur Transparenz der Planungsprozesse auf und zeigen, wie wichtig der Dialog zwischen Bürgern, Politik und Ingenieuren ist.