Am 22. Februar 2026 wurde die Kirche Mariä Himmelfahrt in Stuttgart-Degerloch feierlich nach anderthalb Jahren Bauzeit neu geweiht. Zu diesem besonderen Anlass versammelten sich rund 280 Gläubige, um an dem festlichen Pontifikalgottesdienst teilzunehmen, der von Bischof Klaus Krämer geleitet wurde. Im Mittelpunkt der Feier stand die Weihe des neuen Altars, der in einem feierlichen Ritus gesalbt und in Dienst genommen wurde. Dieses Ereignis markiert nicht nur einen Neubeginn für die Kirche, sondern auch für die Gemeinde, die in Zeiten knapper Mittel und Ressourcen neue Wege beschreiten muss.
Bischof Krämer äußerte in seiner Ansprache Dankbarkeit für den neu gestalteten kirchlichen Ort und erinnerte an die biblische Geschichte der Brotvermehrung, die die Bedeutung von Teilen und Vertrauen verdeutlicht. Christian Hermes, Stadtdekan in Stuttgart, würdigte die Neuausrichtung der Kirche, die künftig auch vom Hospiz St. Martin und dem TrauerZentrum genutzt wird. Die Renovierungskosten belaufen sich auf 3,85 Millionen Euro, wovon 120.000 Euro von der Gemeinde selbst aufgebracht werden müssen. Bisher sind 30.000 Euro an Spenden eingegangen, und die Gemeinde hofft auf weitere Unterstützung.
Ein Ort des Glaubens und der Trauerbegleitung
Bernhard Bayer, Vorsitzender der Kirchengemeinde, betonte, dass Mariä Himmelfahrt ein Ort lebendiger Glaubensweitergabe werden soll. Auch Juliane Löffler, Leiterin des Trauerzentrums, äußerte Freude über die Nutzung der Kirche für die Arbeit mit Trauernden. Bezirksvorsteher Colyn Heinze hob die Bedeutung des neuen sakralen Raums für das Gemeinwesen und das Zusammenleben in Degerloch hervor. Die Weihe markiert den Beginn eines neuen Kapitels für die Kirche als Gottesdienstraum und Ort der Trauerbegleitung.
Die bleibende Gegenwart Christi im gewandelten Brot ist fester katholischer Glaube. Im Erzbistum Köln wird die Eucharistie in die sonntägliche Wortgottesfeier überbracht. Die feierlichen Riten, wie sie in Degerloch nun durch den neuen Altar wieder verstärkt in den Fokus rücken, sollen die Feier des Glaubens betonen und eine erlebbarere Feierkultur entwickeln. Die Kommunion aus dem Tabernakel wird als dogmatische Aussage betrachtet und spielt eine zentrale Rolle in der liturgischen Praxis.
Liturgische Reformen und ihre Auswirkungen
Die Veränderungen, die mit der Weihe des neuen Altars einhergehen, stehen im Kontext umfassender liturgischer Reformen, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) an Bedeutung gewannen. Der Begriff „Liturgie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Dienst des Volkes“. Die Liturgiereform, die ihren Höhepunkt nach dem Konzil erreichte, umfasste wesentliche Änderungen in der Ausgestaltung des Gottesdienstes. So zelebriert der Priester nun gegenüber dem Volk, was durch die Errichtung freistehender Tischaltäre, auch „Volksaltar“ genannt, ermöglicht wurde.
Diese Reformen zielen darauf ab, die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf die Zelebration an einem Altar zu lenken und den Gottesdienst für die Teilnehmer verständlicher und ansprechender zu gestalten. Die Verkündigung des Wortes Gottes wurde ebenfalls reformiert, um die Sicht und das Verständnis der Gläubigen zu fördern. In diesem Sinne wird die Weihe des neuen Altars in Degerloch als Teil dieser Weiterentwicklung der Liturgie gesehen und bietet der Gemeinde die Möglichkeit, ihren Glauben in einem modernen, einladenden Rahmen zu leben und zu teilen.



