In Stuttgart-Botnang gibt es eine spannende Entdeckung: Bürger haben mehr Wärmenetze gefunden, als die Stadt bisher angenommen hatte. Diese neuen Erkenntnisse zeigen, dass zwei bestehende Wärmenetze, die nicht in der Wärmeplanung der Stadt verzeichnet sind, über 1000 Wohneinheiten versorgen. Zum Vergleich plant die Stadtwerke Stuttgart, in der Winterhalde in Bad Cannstatt lediglich 950 Wohneinheiten anzuschließen. Die entdeckten Netze, die seit fast 50 Jahren in Betrieb sind, sind private Gebäudenetze.
Besonders interessant ist das geplante neue Wärmenetz der Energiegenossenschaft in Botnang rund um den Vivaldiweg. Hier wurde bereits im Sommer 2024 die Gründung der Quartiersgenossenschaft ins Leben gerufen, um ein klimaneutrales Nahwärmenetz zu errichten. Dieses Projekt ist nicht in der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Stuttgart vorgesehen, was die Initiative umso bemerkenswerter macht. Anwohner und Genossenschaftsmitglieder wurden aktiv in den Prozess einbezogen, um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu berücksichtigen.
Innovationen in der Wärmeversorgung
Ein wichtiges Ziel der entdeckten Wärmenetze ist die Umrüstung auf klimafreundliche Energiequellen. Die Heizungsanlage soll bis 2045 eine Wärmeerzeugung mit 90 Prozent regenerativem Anteil erreichen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören Pelletkessel, Pufferspeicher und Luftwärmepumpen, die zusammen mit Gaskesseln für Spitzenlasten eingesetzt werden. Insbesondere das Gebäudenetz Spitalwald steht vor einer Erneuerung, da es immer wieder Leckagen gibt. Hier wird eine neue Wärmequelle aus einem Mix von Wärmepumpen und einem Blockheizkraftwerk angestrebt, um die bestehende Gasheizung abzulösen.
Die Stadt Stuttgart selbst hat die entdeckten Wärmenetze nicht als „vergessen“ bezeichnet, sondern als „weitere“ Netze, die in die Fortschreibung der Wärmeplanung einfließen werden, die für Mitte 2026 geplant ist. Diese umfassen auch weitere nicht in der Wärmeplanung erfasste Netze, wie das zwischen Gemsen- und Uhuweg in Weilimdorf-Wolfbusch sowie das Wärmenetz Robinson-Barracks in Zuffenhausen/Münster/Bad Cannstatt. Zusammen machen diese vier Netze etwa 0,7 Prozent des Gesamtwärmeverbrauchs in Stuttgart aus.
Das VIVALDI-Projekt
Am 29. Januar 2026 wurde im Botnanger Bürgersaal die Machbarkeitsstudie für das Nahwärmeprojekt VIVALDI vorgestellt. Ziel dieses Projekts ist die Errichtung eines klimaneutralen Nahwärmenetzes im Quartier rund um den Vivaldiweg. Der Genossenschaftsvorstand, Robert Hoening, und der Altstadtrat, Dr. Michael Jantzer, haben eine Projektskizze entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Anwohner eingeht. Unterstützungsanfragen zum Thema Heizung kamen aus verschiedenen Gebäuden, und Energie-Experten sowie Ingenieurbüros wurden konsultiert, um die Planungen voranzutreiben.
Die Finanzierung des Projekts wird durch Förderprogramme von Bund und Stadt unterstützt, was für den Projekterfolg entscheidend ist. In der Anfangsphase der Planung konnten die Projektleiter Jantzer und Hoening sowie ein Beirat der Anwohnenden bereits 15.000 € an Planungsbeiträgen einwerben. Ein Zuschuss der Stadt Stuttgart in Höhe von 75.000 € erhöhte den Gesamtbetrag auf 90.000 €, was die Beauftragung einer professionellen Analyse und Machbarkeitsstudie im Sommer 2025 ermöglichte. Die Ergebnisse dieser Studie wurden kürzlich dokumentiert.
Einige Haus- und Wohnungsbesitzer im Quartier haben jedoch ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dem Projekt noch nicht erklärt. Das Angebot der Energie für Botnang eG zur Modernisierung der Wärmeversorgung bietet jedoch eine Möglichkeit, die Anwohner zu motivieren. Interessierte können ein Formblatt zur Interessenbekundung herunterladen und sich somit aktiv in die Entwicklung des neuen Wärmenetzes einbringen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Entdeckung und Planung neuer Wärmenetze in Stuttgart-Botnang ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Wärmeversorgung sind. Diese Initiativen sind entscheidend, um die Klimaziele der Stadt zu erreichen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Die Entwicklungen in Botnang könnten als Modell für andere Stadtteile dienen und zur Stärkung der kommunalen Wärmeplanung beitragen, die für die Zukunft der Stadt von großer Bedeutung ist.