Die Stadt Münster hat einen bedeutenden Schritt in Richtung einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte unternommen. Aktuell sucht die Stadt neue Namen für den Lüderitz- und den Woermannweg in Gremmendorf. Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, Vorschläge für die Umbenennung einzureichen. Diese Initiative folgt einem Beschluss der Bezirksvertretung Münster-Südost aus dem Dezember, der die Notwendigkeit zur Umbenennung der beiden Straßen unterstreicht. Hintergrund sind mehrere Anträge zur Umbenennung, die zwischen 2020 und 2025 eingereicht wurden und sich mit der kolonialistischen Gesinnung der Namensgeber Adolf Lüderitz und Adolph Woermann beschäftigen. Beide Straßen erhielten ihre Namen während der Zeit des Nationalsozialismus aus propagandistischen Gründen. Die Stadtverwaltung empfiehlt daher die Umbenennung und fordert die Bevölkerung zur Teilnahme auf.
Vorschläge können bis zum 22. März eingereicht werden. Die Einreichungsmöglichkeiten sind vielfältig: Online über das Portal „Beteiligung NRW“, per E-Mail an strassennamen@stadt-muenster.de oder postalisch an das Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster. Bei der Einreichung sollten die städtischen Leitlinien für Ehrungen im öffentlichen Raum beachtet werden. Diese sehen vor, dass neue Straßennamen in der Regel historische Ortsbezeichnungen verwenden. Eine Benennung nach Personen ist die Ausnahme und erfordert, dass die benannten Personen einen engen Bezug zu Münster haben und seit mindestens zehn Jahren verstorben sind. Zudem wird die Ehrung bedeutender Frauen bevorzugt, da historisch bedingt mehr Straßen nach Männern benannt sind.
Hintergrund der Umbenennung
Das Stadtarchiv hat in einer aktuellen Veröffentlichung die kolonialistischen Hintergründe der beiden Namensgeber näher beleuchtet. Adolf Lüderitz und Adolph Woermann waren Kolonialunternehmer mit einer rassistischen Gesinnung und einer aggressiven kolonialistischen Haltung. Woermann organisierte beispielsweise die Verwaltung in Kamerun, wo er minderwertige Ware verkaufte und günstig Kautschuk sowie Schwarzpulver bezog. Lüderitz hatte eine ähnliche Rolle in Namibia inne. Die Geschichte der Benennung der Straßen während der NS-Zeit wird ebenfalls thematisiert und zeigt, wie kolonialistische Ideologien in den städtischen Raum eingewoben wurden. Weitere Informationen hierzu sind auf dem neuen Portal des Stadtarchivs zu finden, das über koloniale Räume in Münster informiert und die Diskussion über Straßenumbenennungen anregt hier.
Gesellschaftlicher Kontext
Die Diskussion um die Umbenennung kolonialer Straßennamen ist nicht nur ein lokales Phänomen. In vielen deutschen Städten finden sich Straßen, die nach Kolonialisten benannt sind. Ein neues Internetportal wurde eingerichtet, um den öffentlichen Diskurs zu fördern. Es umfasst 500 koloniale Straßennamen aus 100 Städten, datiert von 1884 bis 1945. Dieses Projekt, das von der DFG mit 360.000 Euro für zwei Jahre gefördert wird, ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, ihre Meinungen und Beispiele einzubringen. Auch in Münster wird die Auseinandersetzung mit der Kolonialvergangenheit immer relevanter, und das Projekt dient als Informationsquelle für Kommunen und bietet Orientierungshilfe. Die Entwicklungen in diesem Bereich sind spannend, und es bleibt abzuwarten, wie die Bürgerbeteiligung und die daraus resultierenden Vorschläge zur Umbenennung konkret umgesetzt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.
Die Stadt Münster setzt mit dieser Initiative ein Zeichen der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und fördert die Teilhabe der Bevölkerung. Es bleibt abzuwarten, welche neuen Namen für die Straßen gefunden werden, die nicht nur die Vergangenheit reflektieren, sondern auch einen Blick in die Zukunft wagen.