Günter Hess, ein 88-jähriger Kunde der Volksbank, steht vor einer großen Herausforderung: Der Geldautomat in Möhringen, den er über fast 60 Jahre genutzt hat, wurde zum Jahreswechsel außer Betrieb genommen. Diese Schließung hat nicht nur Hess, sondern auch viele andere ältere Bürger in der Region betroffen, die auf Bargeld angewiesen sind. Die Schließung betraf zudem auch Geldautomaten in den Gemeinden Bubsheim, Deilingen und Rietheim-Weilheim. Hess muss nun weite Strecken nach Immendingen oder Tuttlingen zurücklegen, um Bargeld zu beziehen, was für viele ältere Menschen ohne Auto und oft auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, eine immense Belastung darstellt. Dies berichtet die Schwäbische Zeitung.

Vorstandsvorsitzender der Volksbank, Rainer Fader, erklärt, dass die Entscheidung zur Schließung des Geldautomaten auf einer Analyse der Nutzungsfrequenz und der Pendlerströme basiere. Bei der Auswertung stellte die Volksbank fest, dass der Automat selten genutzt wurde und viele Möhringer Kunden überdurchschnittlich unbar bezahlen. Eine Investition in die Infrastruktur wäre nötig gewesen, jedoch hätten die Beträge dafür nicht im Verhältnis zur Nutzung gestanden. Für Hess ist die Situation unbefriedigend, da er keine Kleinbeträge auf seinen Bankauszügen sehen möchte. Aktuell erhält er Bargeld von seiner Tochter, die dieses bei der Kreissparkasse bezieht.

Alternativen und Herausforderungen

Einige Vorschläge zur Problemlösung wurden bereits diskutiert. Beispielsweise könnte eine Kooperation zwischen der Volksbank und der benachbarten Sparkasse das Abheben von Bargeld für Volksbank-Kunden erleichtern. Der Ortsvorsteher Andreas Speck und der Bürgermeister haben sich bereits für diese Zusammenarbeit ausgesprochen. Derzeit müssen Fremdbankkunden jedoch eine Gebühr von 4,95 Euro pro Abhebung bei der Sparkasse zahlen, was viele vor dem Wechsel zur Sparkasse zurückschrecken lässt. Die Sparkasse selbst sieht keine Möglichkeit für eine Kooperation ohne Kostenbeteiligung von Seiten der Volksbank, was die Lösungsfindung zusätzlich erschwert.

In Deutschland ist die Verfügbarkeit von Bargeld mittlerweile ein komplexes Thema. Laut einer Publikation der Bundesbank empfinden 15 % der Bevölkerung den Zugang zu Bargeld als schwierig. Dieses Gefühl ist seit 2021 gestiegen, was häufig auf die Schließung von Bankfilialen und Geldautomaten zurückzuführen ist. Insgesamt wohnen jedoch 95,3 % der Bevölkerung innerhalb von fünf Kilometern zu einem Bargeldbezugspunkt, wobei die durchschnittliche Entfernung bundesweit bei 1,4 Kilometern liegt.

Die Schließungen und Einschränkungen der Geldautomaten haben auch Auswirkungen auf die Betriebskosten der Banken. Wie die InFranken berichtet, stehen Volksbanken und Sparkassen vor steigenden Kosten und arbeiten zunehmend zusammen, um die Kosten für den Betrieb ihrer Geldautomaten zu senken. Durch Kooperationen können die Banken in vielen Regionen die Bargeldversorgung aufrechterhalten, obwohl die Nutzung von Bargeld abnimmt.