Die Schweizer Migros-Genossenschaft hat beschlossen, sich vollständig aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und verkauft ihre Tochtergesellschaft Tegut. Dies folgt auf jahrelange Verluste und gescheiterte Versuche, im deutschen Lebensmittelmarkt Fuß zu fassen. Edeka wird voraussichtlich rund 200 der über 300 Tegut-Filialen übernehmen, während intensive Verhandlungen über die restlichen Standorte, insbesondere mit Rewe, laufen. Die Genehmigung des Bundeskartellamts steht jedoch noch aus, weshalb derzeit keine konkreten Informationen zu den betroffenen Filialen gegeben werden können. In Stuttgart betreibt Tegut derzeit fünf Filialen: an den Standorten Königsbaupassagen (Königstraße), Milaneo (Mailänder Platz), Heusteigstraße (Lehen), Alarichstraße (Feuerbach) und Epplestraße (Degerloch).

Zusätzlich gibt es in der Region drei weitere Standorte: in Böblingen (Einkaufszentrum „Pulse“), Schwäbisch Gmünd (Wetzgau und City Center). Unklar bleibt, welche Filialen an Edeka oder Rewe gehen werden. Edeka hat bereits im Jahr 2022 zwei Tegut-Filialen übernommen. Insgesamt sind rund 7.700 Tegut-Beschäftigte von der Unternehmensabwicklung betroffen, jedoch gibt es keine konkreten Garantien für die Übernahme aller Mitarbeitenden. Edeka plant zwar, die Arbeitsplätze zu erhalten und verweist auf frühere erfolgreiche Integrationen, die Zukunft der Mitarbeiter am Hauptsitz in Fulda und im Logistikzentrum in Hünfeld bleibt jedoch ungewiss.

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Die Hintergründe des Verkaufs

Der Verkauf von Tegut ist ein weiterer Konsolidierungsschritt im deutschen Lebensmittelsektor. Migros hatte Tegut 2013 übernommen, um im wachsenden Bio-Lebensmittelsegment in Deutschland Fuß zu fassen. Doch die Wettbewerbsintensität und die geringe Unternehmensgröße erschwerten eine langfristige Rentabilität erheblich. Die interne strategische Überprüfung ergab, dass die Marktpositionierung von Tegut nicht wirtschaftlich nachhaltig ist. Insgesamt beläuft sich der Verlust von Tegut seit der Übernahme auf rund 600 Millionen Euro, trotz mehrerer Kosteneinsparungsmaßnahmen. Edeka plant, die übernommenen Filialen in den eigenen genossenschaftlichen Verbund zu integrieren, was eine Stärkung der regionalen Präsenz zur Folge haben könnte.

Tegut beschäftigt derzeit etwa 7.400 Mitarbeiter, darunter rund 6.000 Filialmitarbeiter und 1.400 Beschäftigte in Logistik und Hauptsitz. Laut den Informationen haben die Mitarbeiter bereits am Mittwochmorgen von der Entscheidung erfahren. Die Tegut-Marke könnte bis Ende des Jahres verschwinden, was die Unsicherheit für die Mitarbeiter und die Kunden weiter erhöht. Edeka äußert sich bislang nicht zu weiteren Details, unter anderem zur Frage, ob der Name Tegut erhalten bleibt. Die Übernahme wird als notwendig beschrieben, um Arbeitsplätze zu retten, die andernfalls durch Schließungen bedroht gewesen wären.

Die Auswirkungen auf den Markt

Der Rückzug von Migros aus Deutschland und der Verkauf von Tegut sind Teil einer größeren Strategie, sich auf das Kerngeschäft in der Schweiz zu konzentrieren. Der deutsche Markt hat sich als herausfordernd erwiesen, insbesondere in Anbetracht der rückläufigen Umsätze und des verschärften Marktumfelds. Edeka und Rewe stehen nun vor der Aufgabe, die verbleibenden Tegut-Filialen und deren Mitarbeiter in ihre Strukturen zu integrieren, was sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Die Gespräche mit weiteren Interessenten für die übrigen Tegut-Märkte laufen bereits, Details sind jedoch noch nicht bekannt.

Insgesamt steht die Zukunft der Tegut-Filialen in Stuttgart und der Region auf der Kippe, und die Entwicklungen der nächsten Wochen werden entscheidend sein für die Mitarbeiter, die Kunden und den gesamten Lebensmittelmarkt in Deutschland. Die Situation bleibt spannend, und alle Augen sind auf die Entscheidungen des Bundeskartellamts und die Pläne von Edeka und Rewe gerichtet. Weitere Informationen finden Sie in der ausführlichen Berichterstattung der Esslinger Zeitung, Commodity Board und n-tv.