Am 31. Januar 2026 versammelten sich in Stuttgart zwischen 2.000 und 3.000 Menschen, um für die politischen Rechte der Kurden in Syrien zu demonstrieren. Die Veranstaltung fand aufgrund der jüngsten Angriffe der syrischen Regierungstruppen auf kurdisch verwaltete Gebiete in Nordostsyrien statt. Das Motto der Demonstration lautete „Politischer Status für Rojava“, in Anlehnung an die kurdische Selbstverwaltung in dieser Region, die derzeit durch militärische Bedrohungen gefährdet ist. Laut Tagesschau waren die Teilnehmer insbesondere besorgt um ihre Angehörigen in Rojava, wo die Sicherheitslage angespannt ist.
Die Demonstranten forderten unter anderem die politische Anerkennung der kurdischen Gebiete sowie ein Ende der finanziellen Unterstützung aus der EU für Syrien. Zudem sollte die Bundesregierung ihren Umgang mit dem Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa überdenken, der in den letzten Wochen militärische Vorgänge gegen die kurdischen Kräfte orchestrierte. Die Sicherheitslage war während der Demonstration stark kontrolliert, mit mehreren hundert Einsatzkräften vor Ort, und die Polizei meldete eine positive Bilanz mit nur wenigen Verstößen gegen die Auflagen. Die Veranstaltung dauerte etwa zwei Stunden und verlief friedlich.
Die Lage der Kurden in Syrien
Die kurdische Selbstverwaltung, auch als Rojava bekannt, steht laut Swissinfo vor dem Ende, da die syrische Übergangsregierung aktiv gegen die kurdisch kontrollierten Gebiete vorgeht. In den letzten Wochen haben syrische Regierungstruppen die fortschreitende Militäraktion gegen die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) intensiviert, was zu einem Rückzugsdruck auf die Kurden führte. Ein Waffenstillstand wurde zwar ausgerufen, die Kurden hatten jedoch nur vier Tage Zeit, um einen Plan zur Eingliederung ihrer Institutionen in den syrischen Staatsapparat vorzulegen.
Die Kurden sind in Syrien die größte ethnische Minderheit und machen schätzungsweise 10% der Bevölkerung aus, mit etwa 2,5 Millionen Kurden lebt vorwiegend im Nordosten des Landes. Historisch gesehen wurden sie diskriminiert, insbesondere in Zeiten der Arabisierungskampagnen ab 1963. Die Selbstverwaltung der Kurden entwickelte sich seit dem Arabischen Frühling im Jahr 2011, als sie einen eigenen Weg einnahmen und die Autonome Verwaltung Nord- und Ostsyrien (AANES) gründeten.
Zukünftige Perspektiven
Die geopolitische Lage im Nahen Osten verändert sich, was den Kurden neue Chancen bieten könnte. Der Machtwechsel in Damaskus hat die Situation der Kurden jedoch zusätzlich kompliziert. Ahmed al-Scharaa hat signalisiert, mehr Rechte einräumen zu wollen, doch das Misstrauen unter den kurdischen Vertretern bleibt groß. Komplexe regionale Dynamics, einschließlich der Rolle der Türkei, die die SDF als Verbindung zur PKK betrachtet, und die veränderte Haltung der USA, die ihre militärische Unterstützung zurückfahren, nähren die Unsicherheit über die Zukunft der Kurden in der Region.
Türkische Medien berichteten sogar darüber, dass Ankara die syrischen Truppen mit Informationen versorgt hat, um den Druck auf die Kurden zu erhöhen. Während die Kurden versuchen, ihre Identität und Selbstverwaltung in einem demokratischen Kontext zu wahren, sind sie mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Die Unterstützung aus der internationalen Gemeinschaft, insbesondere von Seiten der USA und anderer westlicher Länder, bleibt verhalten, nicht zuletzt aus Angst vor möglichen Reaktionen der Türkei.
Angesichts dieser komplexen Rahmenbedingungen bleibt die Frage offen, wie sich die Kurden langfristig in einem sich ständig verändernden politischen Klima im Nahen Osten positionieren und welche Unterstützung sie von der internationalen Gemeinschaft erhalten können. Die Proteste wie in Stuttgart zeigen jedoch, dass die Kurden und ihre Unterstützer weiterhin für ihre Rechte und eine bessere Zukunft kämpfen wollen.