Im Stuttgarter Stadtteil Möhringen wird bald das Ende einer Ära eingeläutet. Thomas und Bettina Röck schließen ihren Besenkeller, nachdem sich der Weinbestand dem Ende neigt. Thomas Röck, der ursprünglich Kaufmann war und keinerlei Vorkenntnisse im Weinbau oder in der Gastronomie hatte, übernahm den Besenkeller in den 1990er Jahren, als das elterliche Lebensmittelladen-Geschäft zurückging. Mit 65 Jahren plant er nun aus gesundheitlichen Gründen die Schließung.
Die Entscheidung kam nicht von ungefähr. Der Klimawandel, verbunden mit geänderten Gästegewohnheiten, trägt ebenfalls zur Schließung bei. In den letzten drei Jahren gab es verschiedene Herausforderungen im Weinbau, darunter die Kirschessigfliege, Frost und Hagel, die letztlich zur Aufgabe des Weinbaus führten. Thomas Röck servierte im Besenkeller eine Vielzahl von Weinsorten, darunter Lemberger, Trollinger, Dornfelder und Riesling. Besonders hervorzuheben ist die pilz resistente Sorte Monarch.
Eine Tradition geht zu Ende
Besenwirtschaften, wie sie im Süden Deutschlands, insbesondere in Württemberg und Baden, betrieben werden, sind einfache Weinstuben, die Tradition und Geselligkeit bieten. Sie sind geprägt von ländlichem Charme und fördern soziale Interaktionen. Der Name kommt von einem Besen, der vor die Tür gehängt wird, um das Öffnen des Betriebs zu signalisieren. Die Besenkeller-Röcks haben diese Tradition mit ihrem Angebot an Speisen und Weinen am Leben gehalten, bis zur Corona-Pandemie, wo die wöchentlichen Konzerte mit internationalen Musikern ebenfalls pausieren mussten.
Die Speisekarte umfasste bodenständige Gerichte wie Maultaschen für 8 Euro, Schlachtplatte für 12 Euro und Salzfleisch mit Kraut für 9 Euro. Maximal 13 Euro kosteten die angebotenen Speisen. Dies entspricht dem typisch einfachen und ehrlichen Küchenstil, der in Besenwirtschaften oft zu finden ist, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen.
Die Herausforderungen der Gegenwart
Der Schließungsprozess des Besenkellers wird bis zur letzten Verkostung der Weine weitergeführt, und gegebenenfalls ist eine zweite Öffnung im Herbst geplant. Nicht nur gesundheitliche Gründe spielen eine Rolle, die Tochter des Betriebliche hat zudem entschieden, den Betrieb nicht zu übernehmen. Dies spiegelt die Herausforderungen wider, denen Besenwirtschaften heute gegenüberstehen. Das Gaststättengesetz sowie die Besenverordnung, die den Betrieb regeln, machen es nicht einfacher, kleine Betriebe aufrechtzuerhalten.
Die Bedeutung von Besenwirtschaften geht über reine kulinarische Angebote hinaus. Sie sind ein Ausdruck von Kultur und Gemeinschaft. Ihr Ursprung liegt in einem Erlass von Karl dem Großen, der den Winzern den Verkauf ihres Weins erlaubte, was mehr als 1.200 Jahre alt ist. Historisch durften Winzer ohne Schanklizenz ausschenken, …
Die Schließung des Besenkellers der Röcks ist somit nicht nur das Ende eines Betriebes, sondern spiegelt die Entwicklung und die Herausforderungen wider, mit denen die Besenkultur in Deutschland kämpft.
Weitere Informationen und Hintergründe zu Besenwirtschaften bieten folgende Links: Esslinger Zeitung, Weinkenner und Wikipedia.