In Stuttgart-Sonnenberg ist derzeit viel los, denn die Krötenwanderung hat begonnen. Stefan Kress, ein engagierter Amphibienhelfer des Naturschutzbundes (Nabu), ist mitten im Geschehen und sorgt dafür, dass Kröten, Frösche und Molche sicher zu ihren Laichgewässern gelangen. Jedes Jahr kämpfen die Amphibien gegen die Gefahren des Straßenverkehrs, und Kress ist einer der rund 100 ehrenamtlichen Helfer, die den Nabu während dieser kritischen Zeit unterstützen. Viele Laichgewässer sind in der Vergangenheit durch Hausbesitzer aufgelöst worden, was die Tiere dazu zwingt, neue Tümpel zu finden. Das Ziel des Nabu ist es, die Amphibien umzutrainieren, um sie vor dem Überqueren der Straßen zu bewahren. Wie Kress festgestellt hat, sind die Eimer hinter dem Zaun, die die Kröten fangen sollen, früher deutlich voller gewesen.
Die Amphibienwanderung beginnt in der Regel nach warmen, feuchten Nächten und kann bis Mitte Mai andauern. In Baden-Württemberg sind mehr als die Hälfte der heimischen Amphibien- und Reptilienarten auf der Roten Liste, und 19 von 21 in Deutschland heimischen Amphibienarten leben hier, wobei 11 davon als gefährdet gelten. Diese schützenswerten Tiere sind besonders durch Urbanisierung, Pestizideinsatz und Klimawandel bedroht. Jedes Jahr werden Tausende von Amphibien auf Straßen überfahren, was ihre Existenz gefährdet. Laut einer aktuellen Lageeinschätzung vom 19. Februar wird ein milder Luftstrom erwartet, der die ersten Amphibien hervorlockt. Im Oberrhein wurden bereits Spring- und Grasfrösche sowie Bergmolche gesichtet, während im Norden und Osten Deutschlands die Laichwanderung aufgrund gefrorener Böden verzögert beginnt.
Die Herausforderung der Waschbären
Ein weiteres Problem sind die Waschbären, die eine Bedrohung für die wandernden Kröten darstellen. Diese cleveren Tiere könnten die Kröteneimer entdecken und sich an den Amphibien bedienen. Daher ist es umso wichtiger, dass die ehrenamtlichen Helfer des Nabu aufmerksam sind und schnell reagieren, um die Kröten zu schützen. Kress beantwortet während seiner Arbeit auch Fragen von Kindern aus einem Naturkindergarten, die sich für die Tiere und deren Schutz interessieren. Dies fördert das Bewusstsein und die Aufklärung über die wichtige Rolle der Amphibien in unserem Ökosystem.
Mitmachen für den Naturschutz
Interessierte können sich beim Nabu Stuttgart als Amphibienhelfer melden und aktiv am Schutz der Tiere teilnehmen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, und die Saison dauert in der Regel zwei bis drei Monate. Naturschutzgruppen setzen sich aktiv für den Schutz der Amphibien ein, indem sie Krötenschutzzäune aufstellen und die Tiere über Straßen tragen. Die NABU-Websites bieten umfassende Informationen zu lokalen Naturschutzgruppen sowie eine interaktive Schutzzaun-Datenbank, in der Standorte und Fangergebnisse eingetragen werden können. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass die Krötenwanderung nicht nur eine gefährliche Reise, sondern auch ein Erfolg wird.
Ein Blick auf die Situation zeigt, wie wichtig der Schutz dieser Tiere ist. Der Klimawandel und die Urbanisierung stellen eine ständige Bedrohung für die Amphibien dar, und der Einsatz engagierter Helfer ist unerlässlich, um deren Lebensräume zu bewahren. Die Krötenwanderung ist nicht nur ein Naturschauspiel, sondern auch ein Aufruf zum Handeln für den Naturschutz.