In Stuttgart-Ost steht eine kontroverse Verkehrsänderung bevor. Die Busspur zwischen Wunnenstein- und Fuchseckstraße wird ab dem kommenden Sommer in Parkplätze umgewandelt. Insgesamt sollen 16 Parkplätze, drei Carsharing-Stellflächen und ein Abstellbereich für acht Fahrräder geschaffen werden. Diese Entscheidung stößt auf heftige Kritik, insbesondere vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der den Rückbau als möglicherweise rechtswidrig einstuft und sich vehement für den Erhalt der Busspur einsetzt. Die Busfahrer hätten die Spur in der Vergangenheit kaum genutzt, selbst bei Staus scheuten sie den Wechsel, um später nicht wieder nach links abbiegen zu müssen. Auch an der Haltestelle Wunnensteinstraße wird deutlich, dass die Verkehrsteilnehmer hinter den Bussen warten, die die Kreuzung zur Ostendstraße ohne Nutzung der Busspur passieren können.

Thomas Baur, Sprecher des BUND, sieht die Notwendigkeit, den öffentlichen Nahverkehr in der Wagenburgstraße zu optimieren und fordert Maßnahmen zur Beschleunigung. Er schlägt vor, die Verkehrsregelung so zu ändern, dass Busse Vorrang haben und andere Verkehrsteilnehmer die Spur wechseln müssen. Baur ist überzeugt, dass dies kein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringt und verweist auf eine ähnliche Regelung in der Heumadener Straße in Hedelfingen. Er ist irritiert über den bereits beschlossenen Rückbau und hofft auf ein Stopp durch den Gemeinderat. Die Busspuren sind Teil des Luftreinhalteplans des Regierungspräsidiums Stuttgart, der im Herbst 2018 beschlossen wurde. Bisher hat sich die Stadtverwaltung nicht zu den aktuellen Entwicklungen geäußert; eine Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Technik ist für den 24. Februar angesetzt.

Busspuren im bundesweiten Vergleich

Der Rückbau der Busspur in Stuttgart-Ost ist nicht nur ein lokalpolitisches Thema, sondern reiht sich in einen bundesweiten Trend ein. In den 40 größten Städten Deutschlands machen eigene Fahrspuren für den Busverkehr durchschnittlich nur 0,6 Prozent des Straßennetzes aus, wie eine Abfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt. Berlin führt mit 121 Kilometern Busspur und einem Anteil von 2,3 Prozent, gefolgt von Aachen und Mainz mit jeweils 1,4 Prozent. Städte wie Halle (Saale), Krefeld, Magdeburg und Oberhausen haben überhaupt keine Bussonderfahrstreifen. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, fordert daher eine Ausbauoffensive für Busspuren, um den öffentlichen Nahverkehr zu fördern und die Mobilitätswende voranzutreiben.

Aktuelle Probleme wie Staus, verspätete Busse, schlechte Luft und hoher CO2-Ausstoß sind weitere Beweggründe für den Ausbau von Busspuren. Eine Reform der Straßenverkehrsordnung, die 2024 in Kraft treten soll, wird die Anordnung von Busspuren erleichtern, indem die Hürde von mindestens 20 Bussen pro Stunde entfällt. 21 der 40 abgefragten Städte prüfen derzeit, weitere Busspuren zu schaffen. Unterstützungsangebote wie das Projekt „Pop-up Mobilitätswende“, das durch die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundes gefördert wird, zielen darauf ab, Kommunen bei der Umsetzung von Sofortmaßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs zu unterstützen.

Ein Ausblick auf die Verkehrswende

Die Diskussion um die Busspur in Stuttgart-Ost ist emblematisch für die Herausforderungen, vor denen Städte in Deutschland stehen, wenn es um die Förderung nachhaltiger Verkehrsmittel geht. Der BUND fordert nicht nur den Erhalt der Busspur, sondern auch eine grundlegende Überarbeitung der Verkehrsregelungen, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Die Mobilitätswende erfordert innovative Lösungen und einen klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Fahrgäste. Nur so können Städte wie Stuttgart ihre Verkehrsprobleme nachhaltig angehen und gleichzeitig einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität leisten.

Der Ausgang der Diskussion um die Busspur wird nicht nur für Stuttgart-Ost von Bedeutung sein, sondern könnte auch als Modell für andere Städte dienen, die ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen. Bleibt zu hoffen, dass die Stimmen der Kritiker Gehör finden und die Verkehrsplanung in eine Richtung gelenkt wird, die sowohl den öffentlichen Nahverkehr stärkt als auch den Bedürfnissen der Bürger Rechnung trägt.

Für weitere Informationen zu diesem Thema, besuchen Sie bitte die Stuttgarter Nachrichten, die Nahverkehrspraxis und die Deutsche Umwelthilfe.