Der Kreistag von Göppingen hat am Freitagnachmittag in einer Entscheidung mit 38 Stimmen für den Abriss des alten Gebäudes des Alb-Fils-Klinikums gestimmt. 25 Mitglieder stimmten dagegen, während es keine Enthaltungen gab. Die spannende Debatte um das Krankenhaus im Stadtteil Eichert hat sich über die letzten Jahre hingezogen und stellte den Kreistag vor eine schwierige Entscheidung. Eine Sanierung des alten Gebäudes zur Schaffung von Wohnraum wird nun nicht weiterverfolgt, der Fokus liegt klar auf dem Abriss.

Der vorläufige Finanzrahmen für den Abriss wird auf etwa 28 Millionen Euro geschätzt. Eine frühere Untersuchung der LBBW Kommunalentwicklung GmbH zeigte, dass die Instandhaltung des seit 1979 bestehenden Gebäudes je nach gewählter Variante zwischen 20 und 30 Millionen Euro kosten würde. Diese Kosten wurden als nicht tragbar erachtet, insbesondere da es nicht genügend Nachfrage für den notwendigen Wohnraum gibt und keine Reserveflächen für eine mögliche Vergrößerung des Alb-Fils-Klinikums zur Verfügung stehen.

Pläne für die Zukunft

Ein Investor, die Immobilienverwaltung Württemberg GmbH, ist an dem Gebäude interessiert und plant, dort ein „Innovationszentrum für Technologie und Bildung“ zu realisieren. Zudem soll Platz für Wohnraum, Geschäfte, Büroräume, einen Kindergarten sowie eine Skylounge-Bar geschaffen werden. Trotz dieser ambitionierten Vision wurden im Kreistag erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit der Pläne geäußert. CDU-Landrat Markus Möller, der den Abriss befürwortet hat, bezieht sich auf die Empfehlungen aus der Untersuchung.

Die Kritik an den Abrissplänen kommt nicht nur von der Opposition, sondern auch von Mitgliedern der CDU sowie von Fraktionen der AfD und FDP. Diese fordern eine eingehendere Prüfung und Gespräche mit potenziellen Investoren. In der Diskussion über den Rückbau äußerten sich die Fraktionen der Freien Wähler, SPD und Grünen jedoch klar für die Abrisspläne.

Ökologische Herausforderungen

Zusätzlich zu den finanziellen und politischen Ansprüchen gibt es auch ökologische Herausforderungen, die den Abriss verzögern könnten. Die Firma ARCADIS wurde mit der Kostenberechnung für den Rückbau beauftragt, während ein Fachbüro für ökologische Planung bereits Brutplätze von Mauerseglern und Winterquartiere von Fledermäusen nachgewiesen hat. Diese neuen Erkenntnisse haben signifikante Auswirkungen auf die Abbruchplanung, die nun an die Artenschutzbestimmungen angepasst werden muss.

Die ursprünglich geplanten Abbruchzeiträume können nicht eingehalten werden, weshalb eine enge Kooperation mit der höheren Naturschutzbehörde erforderlich ist. Eine Ausnahmegenehmigung muss eingeholt werden, um den Abbruch weiter voranzutreiben. Der Kreistag wird am 07. Februar über die neuen Erkenntnisse informiert, doch eine endgültige Beschlussfassung zum Abbruch kann erst nach Klärung der Planung und der zu erwartenden Kosten erfolgen. Das ALB FILS KLINIKUM betont, dass alle erforderlichen Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Fachleuten und den zuständigen Behörden geprüft werden.

Insgesamt stehen wir am Anfang eines bedeutenden Wandels im Bereich der Gesundheitsversorgung und Stadtentwicklung in Göppingen. Der Abriss des alten Klinikgebäudes könnte den Weg für neue Entwicklungen mit sich bringen, steht aber auch im Zeichen ökologischer und finanzieller Herausforderungen.

Weitere Informationen sind bei SWR einzusehen und eine offizielle Stellungnahme des Alb Fils Klinikums kann hier abgerufen werden.