Heute ist der 11.02.2026 und die Stadt Gerlingen steht vor einer finanziellen Herausforderung. Für das Jahr 2026 plant die Stadt ein Haushaltsdefizit von 4,6 Millionen Euro, was eine Verdopplung des Defizits im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Trotz dieser besorgniserregenden Zahlen hat die Stadt ein komfortables Rücklagenpolster, das die Genehmigungsfähigkeit des Haushalts ermöglicht. Überraschenderweise steigen die Gewerbesteuereinnahmen, was einen positiven Aspekt in der finanziellen Planung darstellt. Gerlingen hat für 2026 Investitionen in Höhe von rund 26 Millionen Euro geplant, um die Infrastruktur und die Lebensqualität der Bürger zu verbessern.

Die Hauptursache für das Defizit liegt in der steigenden Kreisumlage, die um 2,8 Millionen Euro auf 15,6 Millionen Euro ansteigt. Stadtrat Thomas Fauser von der CDU fordert daher eine Änderung der Kreisumlage, um die finanzielle Belastung der Stadt zu reduzieren. Ein weiterer negativer Faktor ist der fehlerhafte Zensus 2022, der die Einwohnerzahl Gerlingens zu niedrig erfasst hat. Dies führt zu jährlichen finanziellen Einbußen von etwa 750.000 Euro. Diese Situation wird durch die Diskussion über steigende Personalkosten in der Stadtverwaltung weiter kompliziert. FDP-Stadträtin Martina Merchant fordert eine kritische Prüfung des Personalaufbaus, während die Grünen mehr Personal aufgrund der steigenden Arbeitsbelastung anregen. Auch die SPD äußert Kritik über die langsamen Fortschritte bei wichtigen Projekten wie der Energiewende und der Innenstadtsanierung. Die Junge Gerlinger (JG) hingegen bemängeln die Prioritätensetzung bei der Feuerwehrinfrastruktur. Bemerkenswert ist, dass der Gemeinderat dem Haushaltsplan für 2026 einstimmig zugestimmt hat, was zeigt, dass trotz der Herausforderungen ein gewisser Konsens besteht.

Kommunale Finanzen im Überblick

Um die finanzielle Situation der Stadt besser zu verstehen, ist es wichtig, einen Blick auf die kommunalen Finanzen im Allgemeinen zu werfen. Die kommunale Jahresrechnungsstatistik (GFR) erfasst die Zahlungsvorgänge der Kommunen jährlich und erfolgt mit hoher Genauigkeit. Die Ergebnisse der GFR sind jedoch erst mit einem Zeitverzug von mehr als einem Jahr verfügbar, was bedeutet, dass die Daten für das Jahr 2022 erst im Frühjahr 2024 veröffentlicht werden. Im Gegensatz dazu erhebt die vierteljährliche kommunale Kassenstatistik (GFK) vorläufige Zahlen aus Kassenbewegungen der Kommunen, jedoch mit geringerer Präzision und Merkmalsumfang. Die Kassenstatistik steht wenige Monate nach dem jeweiligen Stichtag zur Verfügung und bildet erfahrungsgemäß die späteren endgültigen Werte treffend ab. Diese Statistiken sind entscheidend, um die finanzielle Lage der Stadt Gerlingen und anderer Kommunen genau zu analysieren und zu verstehen.

Ausblick und Herausforderungen

Die Stadt Gerlingen muss sich also einer Vielzahl von Herausforderungen stellen. Die steigende Kreisumlage, die fehlerhafte Zensus-Erfassung und die Diskussionen über Personalressourcen sind nur einige der zentralen Themen, die die kommunale Finanzpolitik prägen. Die geplanten Investitionen sind zwar ein positives Zeichen, dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die finanziellen Rahmenbedingungen entwickeln werden. Die Stadtverwaltung wird gefordert sein, kreative Lösungen zu finden, um die Herausforderungen zu meistern und die Lebensqualität der Bürger weiterhin zu gewährleisten. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie Gerlingen diesen Spagat zwischen Investitionen und Haushaltsdisziplin meistern kann.

Für weitere Informationen zur kommunalen Finanzlage und den Herausforderungen in Gerlingen besuchen Sie bitte die Stuttgarter Nachrichten und die Statistik BW.