Gerlingen steht für 2026 vor der Herausforderung eines erheblichen Haushaltsdefizits von 4,6 Millionen Euro. Dieses Defizit hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und wirft Fragen zur finanziellen Gesundheit der Stadt auf. Trotz dieser kritischen Lage ist die Stadt jedoch gut aufgestellt, da sie über ein komfortables Rücklagenpolster verfügt. Dieses Rücklagenpolster ermöglicht es der Stadt, den Haushalt genehmigen zu lassen, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.
Ein positiver Faktor, der zur Entlastung der Situation beiträgt, sind die unerwartet steigenden Gewerbesteuereinnahmen. Diese positiven Entwicklungen stehen jedoch im Schatten der Hauptursache für das Defizit: Die steigende Kreisumlage, die um 2,8 Millionen Euro auf insgesamt 15,6 Millionen Euro ansteigt.
Kritik und Forderungen im Gemeinderat
Die Reaktion auf die finanzielle Situation der Stadt ist gemischt. Stadtrat Thomas Fauser von der CDU fordert eine Überprüfung der Kreisumlage, die eine erhebliche Belastung für den städtischen Haushalt darstellt. Zudem hat der Zensus 2022 ergeben, dass die Einwohnerzahl Gerlingens zu niedrig erfasst wurde, was zu einem jährlichen Einnahmenverlust von etwa 750.000 Euro führt.
Ein weiterer Punkt auf der Agenda sind die steigenden Personalkosten in der Stadtverwaltung. Während die FDP-Stadträtin Martina Merchant eine kritische Prüfung des Personalaufbaus anregt, fordern die Grünen mehr Personal, um der gestiegenen Arbeitsbelastung gerecht zu werden. Die SPD hingegen kritisiert die schleppenden Fortschritte bei wichtigen Projekten, insbesondere bei der Energiewende und der Innenstadtsanierung.
Des Weiteren äußern die Jungen Gerlinger (JG) Bedenken hinsichtlich der Prioritätensetzung bei der Feuerwehrinfrastruktur. Trotz dieser Bedenken hat der Gemeinderat dem Haushaltsplan für 2026 einstimmig zugestimmt, was ein Zeichen für eine einheitliche politische Linie in Zeiten finanzieller Herausforderungen sein könnte.
Finanzielle Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg
Die kommunalen Finanzen in Baden-Württemberg unterliegen strengen Regeln und Statistiken. Laut der Statistik BW wird die Jahresrechnungsstatistik (GFR) jährlich zur Erfassung der Zahlungsvorgänge der Kommunen verwendet. Diese Daten sind entscheidend für ein genaues Verständnis der kommunalen Finanzlage. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse der GFR in der Regel mit einem Zeitverzug von mehr als einem Jahr verfügbar sind.
Zusätzlich werden vierteljährliche vorläufige Zahlen in der kommunalen Kassenstatistik (GFK) erfasst, die weniger präzise sind als die GFR und daher lediglich als Indikator für künftige Entwicklungen dienen. Diese Prozesse zeigen, wie komplex die finanziellen Herausforderungen für Kommunen sind und unterstreichen die Wichtigkeit einer soliden Haushaltsführung.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die finanzielle Situation Gerlingens entwickeln wird, insbesondere im Hinblick auf die geforderten Maßnahmen zur Haushaltsstabilität und die Politiken zur Verbesserung der Einnahmen.