Das geplante neue Gymnasium in Stuttgart, das auf dem Gelände der Steinenbergschule in Hedelfingen entstehen sollte, steht vor dem Aus. Diese Idee, ein zweites Gymnasium in den Oberen Neckarvororten zu etablieren, besteht bereits seit vielen Jahren. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass der Bedarf aufgrund von Platzmangel an Gymnasien in dieser Region groß sei. Doch die Anmeldezahlen an Gymnasien in den Oberen Neckarvororten sind für das Schuljahr 2025/2026 stark gesunken: von 184 auf nur 133 Schüler. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig und reichen von einem demografischen Wandel über Verzögerungen bei Aufsiedlungen bis hin zu einer sinkenden Zuwanderung und der Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung.
Besonders alarmierend ist der Rückgang der Übertrittsquote auf das Gymnasium, die in den letzten fünf Jahren von 53% auf 41% gefallen ist. Zudem zeigt sich, dass es freie Kapazitäten an bestehenden Gymnasien im Norden Stuttgarts gibt. Das Wirtemberg-Gymnasium wird zudem mit einem Neubau ausgestattet, was den Bedarf für ein neues Gymnasium am Steinenberg in Frage stellt. Das Schulverwaltungsamt rechnet für die kommenden Jahre mit 120 bis 130 Kindern, die auf ein Gymnasium wechseln möchten. Die Neubaukosten für das Gymnasium würden zwischen 170 und 190 Millionen Euro liegen – eine finanzielle Belastung, die nicht tragbar erscheint. Stattdessen sind umfassende Sanierungsarbeiten am Hauptgebäude der Steinenbergschule geplant, mit Investitionskosten von etwa 70 Millionen Euro.
Aktuelle Entwicklungen im Bildungswesen
Im Kontext des Bildungswesens im Regierungsbezirk Stuttgart wird das Schuljahr 2025/2026 am 15. September 2025 an etwa 1.550 öffentlichen Schulen beginnen. Dabei werden insgesamt 287.428 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, wobei die öffentlichen Gymnasien nur 13.970 Schüler in den fünften Klassen verzeichnen – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die Einführung des flächendeckenden G9 an Gymnasien könnte eine Rolle bei diesen Entwicklungen spielen, da sie den Zugang und die Verweildauer im Bildungssystem beeinflusst.
Die Schülerzahlen für das Schuljahr 2025/2026 basieren zwar auf Prognosen, die endgültigen Zahlen werden jedoch erst im Herbst mit der amtlichen Schulstatistik veröffentlicht. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Unterrichtsversorgung: In der Region wurden bis zum 8. September 2025 1.524 unbefristet neu eingestellte Lehrkräfte verzeichnet, jedoch gibt es Herausforderungen bei der Besetzung von Stellen in Fächern wie Physik, Informatik, Mathematik und Religionslehre.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entscheidung über das neue Gymnasium wird am 11. März im Verwaltungsausschuss getroffen, doch die Diskussion im Schulbeirat deutet darauf hin, dass die Argumentation der Verwaltung unterstützt wird. Der Förderverein Schulcampus Hedelfingen fordert Transparenz und die Offenlegung der Machbarkeitsstudie, um die Bürger in diesen Entscheidungsprozess einzubeziehen. In Anbetracht der aktuellen und zukünftigen Entwicklungen, die durch den demografischen Wandel und die bildungspolitischen Veränderungen geprägt sind, erscheint es zunehmend fraglich, ob der Bau eines neuen Gymnasiums wirklich die richtige Lösung ist.
Dieser Kontext wird auch durch den Bildungsbericht 2024 der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untermauert, der am 17. Juni 2024 vorgestellt wurde. Der Bericht widmet sich dem Schwerpunktthema „Berufliche Bildung“ und bietet eine umfassende, indikatorengestützte Darstellung des deutschen Bildungswesens. Solche Berichte sind entscheidend, um sowohl Veränderungen im Zeitverlauf als auch aktuelle Entwicklungen im Bildungssektor nachzuvollziehen und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Weitere Informationen und Analysen dazu finden Sie in dem Bericht auf der Webseite der KMK.
Für die Region Hedelfingen bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um den Bildungsbedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.