In der kleinen Stadt Rutesheim wird am Dienstag, den 17. Februar 2026, ein ganz besonderes Ereignis gefeiert: das Freudenfeuer in Rutesheim-Perouse. Diese Gedenkveranstaltung hat eine tief verwurzelte Tradition und erinnert an ein bedeutendes historisches Ereignis in der Geschichte der Waldenser. An diesem Tag wird vor allem das Gnadenpatent von König Karl Albert von Sardinien-Piemont gewürdigt, das am 17. Februar 1848 erlassen wurde. Es stellte die Rückgabe der bürgerlichen und politischen Rechte an die Waldenser dar und hob das Getto auf, in dem sie jahrhundertelang leben mussten. Organisiert wird das Event von der Evangelischen Kirchengemeinde Perouse und dem Partnerschaftskomitee der Stadt Rutesheim.
Das Freudenfeuer hat in den Waldensertälern, und natürlich auch in Perouse, eine lange Tradition. Der Ablauf des Abends sieht eine Andacht in der Waldenserkirche Perouse um 18 Uhr vor, die musikalisch vom Gesangverein Liederlust umrahmt wird. Im Anschluss daran erfolgt die Fackelausgabe gegenüber der Kirche, gefolgt von einem Fackelzug zum Sportheim des SV Perouse. Um 19 Uhr wird schließlich das Freudenfeuer entzündet, und alle Anwesenden sind eingeladen, das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ am Feuer gemeinsam zu singen.
Verpflegung und Unterstützung sozialer Projekte
Bereits ab 17.30 Uhr wird für das leibliche Wohl gesorgt: An verschiedenen Ständen gibt es Punsch, Glühwein, Grillwürste und Gofri-Waffeln. Die Kollekte der Andacht sowie der Erlös aus dem Verkauf kommen der Waldenserkirche im Waldenserzentrum in Torre Pellice und sozialen Projekten in Perosa Argentina zugute. Jeder ist herzlich eingeladen, an diesem einzigartigen Abend teilzunehmen. Eine direkte Ankunft am Freudenfeuer ist ebenfalls möglich.
Ein Blick in die Geschichte der Waldenser
Die Wurzeln der Waldenser reichen über 800 Jahre zurück bis ins 12. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war Europa stark agrarisch geprägt, und die meisten Menschen lebten unter dem Einfluss von Adel und Kirche. Die Waldenser, die von Peter Waldes in Lyon gegründet wurden, suchten Antworten in der Bibel und propagierten eine Lebensweise, die auf Armut und der Ablehnung von Gewalt beruhte. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie verfolgt und als Ketzer verurteilt. Besonders in den Cottischen Alpen fanden sie einen Rückzugsort und schlossen sich schließlich der Reformation an. Diese bewegte Geschichte hat bis heute Auswirkungen auf die Identität und das soziale Engagement der Waldenser.
Im 19. Jahrhundert erlebten die Waldenser eine gewisse Anerkennung, als sie in die Landeskirchen aufgenommen wurden, was jedoch ihren reformierten Charakter minderte. Ihr Gedenken und ihre Traditionen, wie das Freudenfeuer, sind nicht nur eine Hommage an ihre Vergangenheit, sondern auch ein Zeichen der Verbundenheit und des Zusammenhalts in der Gegenwart. Die Waldenserkirche hat sich im Laufe der Zeit etabliert und zählt heute in Italien rund 21.000 erwachsene Mitglieder. Engagiert in sozialen und politischen Belangen, betreiben sie zahlreiche diakonische Einrichtungen, die ihrer Gemeinschaft zugutekommen.
Das Freudenfeuer in Rutesheim-Perouse ist somit nicht nur ein Fest, sondern ein bedeutender Teil der kulturellen Identität der Waldenser und ein Zeichen für die gelebte Solidarität in der Region. Für weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Geschichte der Waldenser besuchen Sie gerne die Quellen: Stuttgarter Nachrichten, Rutesheim.de und Hugenotten-Waldenserpfad.