Die finanzielle Lage vieler Kommunen in Deutschland ist alarmierend, und auch die kleine Gemeinde Lichtenwald im Kreis Esslingen bleibt davon nicht verschont. Der Bürgermeister Ferdinand Rentschler und der Gemeindekämmerer Steffen Mayer äußern sich besorgt über die Situation des Haushalts 2026. Laut Stuttgarter Nachrichten weist der Haushalt in Lichtenwald Aufwendungen von fast 7,75 Millionen Euro aus, bei gleichzeitig einem Minus von fast 240.000 Euro.
Eine ausgeglichene Haushaltslage könnte theoretisch erreicht werden, da der Fehlbetrag aus der Rücklage gedeckt werden kann. Diese Rücklage beträgt etwa 1,8 Millionen Euro, wird jedoch voraussichtlich bis Ende 2029 weitgehend verbraucht sein. Die finanzielle Lage betrifft nicht nur kleinere Gemeinden wie Lichtenwald, sondern stellt ein flächendeckendes Problem für viele Städte und Gemeinden in Deutschland dar.Bertelsmann Stiftung berichtet, dass die Finanzlage der Kommunen im letzten Jahr stark eingebrochen ist, was vor allem auf stagnierende Steuereinnahmen und wachsende Ausgaben in Bereichen wie Personal und Soziales zurückzuführen ist.
Bedenken hinsichtlich Einsparungen
In Lichtenwald sind Einsparungen bei den Personalkosten praktisch ausgeschlossen, da diese rund 2,75 Millionen Euro betragen, wovon über 60 Prozent für die Kinderbetreuung eingeplant sind. Ein besonders kritisches Thema sind die Umlagen an das Land und den Kreis, die sich auf 2,95 Millionen Euro belaufen. Rentschler warnt vor möglichen Kürzungen bei freiwilligen Leistungen, einschließlich der Kulturarbeit, der Gemeindebücherei und der Schulsozialarbeit.
Auf landesweiter Ebene wird die Situation durch die steigenden Sozialausgaben verschärft. Statistisches Bundesamt berichtet, dass Deutschland im Jahr 2024 ein Finanzierungsdefizit von 24,8 Milliarden Euro verzeichnet hat, das höchste seit der Wiedervereinigung 1990. Die Ausgaben im Bereich Sozialleistungen sind um 11,7 Prozent gestiegen und stellen einen der Haupttreiber für die steigenden kommunalen Ausgaben dar.
Zukunftsausblick und Maßnahmen
Die CDU-Fraktion in Lichtenwald sieht auch positive Aspekte und schlägt vor, das Projekt Bürgerbegegnungsstätte im Pfarrhaus Hegenlohe zu fördern. Zudem beantragt die FUW-Fraktion eine Planungsrate von 5.000 Euro für die Neugestaltung des Kreisverkehrs Thomashardt. Die Etatentwürfe sowie die Anträge der Fraktionen sollen in der Februarsitzung der Gemeinderäte beraten und beschlossen werden.
Angesichts der pessimistischen Ausblicke für die kommenden Jahre, die auch von der Bertelsmann Stiftung hervorgehoben werden, besteht die Notwendigkeit einer Reform, um die Aufgaben der Kommunen langfristig zu sichern. Die Verantwortung für die Finanzierung muss klarer geregelt werden, wobei Bund und Länder gefordert sind, die kommunale Lage dauerhaft zu verbessern.
Insgesamt spiegelt die Situation in Lichtenwald die Herausforderungen wider, mit denen viele Kommunen in Deutschland konfrontiert sind. Die strukturellen Probleme, insbesondere bei den Sozialausgaben, bleiben ungelöst und stellen die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen in Frage.