Heute ist der 19.02.2026. Im Landkreis Ludwigsburg, insbesondere entlang der Hänge des Neckars, zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung im Weinbau. Die Krise, die sich über die Region ausbreitet, betrifft nicht nur die Betriebe, sondern auch die wertvollen Weinbergflächen, die in den kommenden Jahren stark gefährdet sind. Experten gehen davon aus, dass die Hälfte aller Rebflächen in Württemberg verschwinden könnte. Besonders in den Fokus rückt dabei der Käsberg in Mundelsheim, der als „letztes intaktes Naturdenkmal“ gilt und historische Weinbergterrassen umfasst. Diese Terrassen, aus Natursteinen angelegt und windgeschützt, bieten nicht nur optimale Bedingungen für den Weinbau, sondern auch Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere.
Herbert Müller und Fabian Alber-Gailing von der exNircrum Weinmanufaktur haben in einem offenen Brief an die Verantwortlichen appelliert, Maßnahmen zur Erhaltung des Käsbergs zu ergreifen. Sie betonen, dass die Initiative „#wirgehensteil“, die von Ehrenamtlichen gegründet wurde, nicht allein ausreichen kann, um die Steillagen zu retten. Stattdessen fordern sie eine konzertierte Aktion, die den Landkreis Ludwigsburg, die Gemeinde Mundelsheim und die Lauffener Weingärtner einbezieht. Die beiden Weinexperten schlagen vor, dass Wengerter, die in der benachbarten Lage Mühlbächer aktiv sind, ihre Flächen stilllegen und stattdessen die wertvollen Rebflächen am Käsberg erhalten. Dabei würden sie die am Käsberg aufgegebenen Flächen anderen Wengertern ohne Pachtzins überlassen.
Finanzielle Anreize für den Erhalt
Um die Bewirtschaftung am Käsberg langfristig zu sichern, ist es wichtig, finanzielle Anreize zu schaffen. Müller und Alber-Gailing fordern Zuschüsse von 5000 Euro pro Hektar, um die Weinbauern zu unterstützen. Auch eine gemeinsame finanzielle Unterstützung von der Gemeinde Mundelsheim und dem Landkreis für die Landschaftspflege wird angestrebt. Eine mehrjährige Förderung könnte zwischen 50.000 und 75.000 Euro kosten, die sich die Gemeinde und der Landkreis teilen könnten. Ziel des offenen Briefes ist es, Klarheit für die aktiven Weinbaubetriebe zu schaffen und die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Macher der exNircrum Weinmanufaktur und Investoren weiterhin am Käsberg tätig sein können.
Einer einzigartigen Kulturlandschaft verpflichtet
Der Mundelsheimer Käsberg ist nicht nur für den Weinbau bedeutend, sondern auch für die Kulturlandschaft in Württemberg. Generationen von Weingärtnern haben durch den Bau von Trockenmauern eine einzigartige Landschaft geschaffen, die durch das Naturschutzgesetz des Landes geschützte Biotope darstellt. Diese Trockenmauern bieten Lebensraum für an Wärme und Trockenheit angepasste Pflanzen und Tiere, darunter auch einige seltene Arten. Hier gedeiht auch der bekannte Wein „Mundelsheimer Käsberg Trollinger“, der nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei Weinliebhabern überregional geschätzt wird.
Die Erhaltung des Käsbergs ist somit nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Perspektive für die Weinbauern, sondern auch ein Beitrag zum Erhalt dieser wertvollen Kulturlandschaft. Eine umfassende Zusammenarbeit zwischen den Akteuren vor Ort könnte dazu führen, dass dieses Naturdenkmal auch für zukünftige Generationen bewahrt werden kann. Die Herausforderungen im Weinbau sind groß, aber mit einem gemeinsamen Ansatz und den richtigen Maßnahmen gibt es Hoffnung, dass das Erbe des Käsbergs nicht verloren geht. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln von Stuttgarter Nachrichten und Mundelsheim.