In Stuttgart ist die Notwendigkeit einer sozial gerechten und klimagerechten Energiewende unbestritten. Die Stadt steht vor Herausforderungen, die sowohl Eigentümer als auch Mieter unterschiedlich betreffen. Insbesondere besteht Unklarheit über die Herkunft der erneuerbaren Energien, die für die Energieversorgung erforderlich sind. Ein einschneidendes Ereignis war die Streichung der geplanten Energiezentrale am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch, was Fragen zur künftigen Wärmeversorgung aufwirft. In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich, dass Fernwärme in Sillenbuch nicht möglich ist und Alternativen für Nahwärmenetze dringend geklärt werden müssen.

Ein aktuelles Beispiel, das die Dringlichkeit der Energiewende verdeutlicht, ist der Stromausfall in Berlin. Dieses Ereignis zeigt, wie wichtig es ist, Fragen zur Energiesicherheit zu adressieren. Viele Bürger sind jedoch mit ihren Bedenken und Fragen alleingelassen. Um diese Sorgen anzugehen, lädt die SPD Sillenbuch Heumaden Riedenberg zu einer Informationsveranstaltung ein. Diese findet am Donnerstag, dem 12. Februar, um 19 Uhr im Clara-Zetkin-Heim, Gorch-Fock-Str. 26, statt. Interessierte können kostenlos an der Veranstaltung teilnehmen.

Informationsveranstaltung zur Wärmeplanung

Ein Highlight der Veranstaltung wird die Präsentation von Dr. Michael Jantzer über die Machbarkeitsstudie eines Nahwärmenetzes am Vivaldiweg in Botnang sein. Neben Jantzer wird auch Sara Dahme, Stadträtin und Landtagskandidatin, als Rednerin auftreten. Prof. Dr. Walter Trösch, Experte für Biotechnologie und klimaneutrale Stadtentwicklung, wird ebenfalls Informationen bereitstellen. Ziel der Veranstaltung ist es, zu diskutieren, wie die Wärmeversorgung in Sillenbuch sinnvoll organisiert werden kann.

Ein zentraler Aspekt der kommunalen Wärmeplanung (KWP) ist die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme. KWP stellt ein strategisches Planungsinstrument dar, das es Kommunen ermöglicht, die Wärmewende proaktiv zu gestalten. Mit mehreren Förderprogrammen unterstützt die Bundesregierung die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Dazu gehören Instrumente wie das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEW) und das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG), die zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beitragen sollen.

Herausforderungen und Potenziale

Die Wärmeversorgung macht über 50 % des Endenergieverbrauchs in Deutschland aus und ist für einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich. Derzeit werden etwa 80 % der Wärmenachfrage durch fossile Brennstoffe wie Gas und Öl gedeckt, was durch die steigenden Preise zu einer erhöhten Belastung für viele Haushalte führt. Fernwärme spielt zwar eine Rolle in der Wärmeversorgung, wird aber ebenfalls überwiegend aus fossilen Quellen erzeugt. Der Gesetzesentwurf zur Wärmeplanung, welcher am 1. Januar 2024 in Kraft tritt, soll die Grundlage für eine flächendeckende und strategische Wärmeversorgung schaffen und sieht vor, dass ab 2030 mindestens 30 % der Wärme aus erneuerbaren Energien oder Abwärme stammen müssen.

Mit dem neuen Wärmeplanungsgesetz wird auch eine Verbesserung der Planungs- und Investitionssicherheit für Netzbetreiber und Gebäudeeigentümer erwartet. Darüber hinaus stehen ab 2027 auch grenzüberschreitende Lösungen, wie die Nutzung von Abwärme aus einem Stahlwerk an der deutsch-französischen Grenze, auf der Agenda. Regionale und kommunale Wärmepläne werden zudem damit beauftragt, kosteneffiziente und klimafreundliche Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Unterstützt wird dies durch ein Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW), welches auf die Stärkung kommunaler Maßnahmen abzielt.

In Anbetracht dieser komplexen Herausforderungen ist eine engagierte Bürgerinformation und -partizipation unerlässlich. Lösungen zur Energiewende müssen gemeinsam entwickelt werden, um den sozialen Herausforderungen gerecht zu werden und eine nachhaltige Zukunft zu sichern. Weitere Informationen über die kommunale Wärmeplanung finden Sie unter Umweltbundesamt und Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.